July 9, 2009

La Pampa

Heute nur eine kurze Durchsage! Da sage nochmal einer, wir seien nicht spontan! Sehr spontan und kurzfristig hat sich ein neuer Konzerttermin ergeben, der hier natürlich seine Erwähnung finden muss. Schon übermorgen, am kommenden Samstag, dem 11. Juli, sind wir Teil des La Pampa-Festivals im Hagenwerder Freibad in Görlitz. Was das Line-up angeht sind wir da in allerbester Gesellschaft, u.a. sind Ja, Panik!, Clickclickdecker, The Notwist, Bonaparte, +/- {Plus/Minus} und unsere Labelkollegen von The Audience zugegen. Und wenn man von der tollen Website auf die Qualität des Festivals schließen kann, wird das ein großartiges Festival! Wir sind gespannt…

July 6, 2009

Tag 2 in Rudolstadt und das Beste auf deutschen Balkonen

Wer hätte gedacht, dass sich die Erlebnisse des Konzertes am Samstag noch einmal wiederholen ja die emotionalen Überschlagungen gar zum kunstvollen Salto ausweiten könnten? Rudolstadt hatte sich auch am Sonntag fein herausgeputzt, die Sonne schien kräftig und ging gerade hinter der malerischen Heidecksburg unter, als wir im Garten auf der Burgterasse, auf der wohl schönsten der schönen Bühnen des Festivals noch einmal befreit aufspielen durften. Ein Fest der Sinne! Vor und auch auf der Bühne! Ich will mich gar nicht in weiteren Superlativen versuchen, aber der entspannt warme Juliabend im Burghof mit den Rudolstädtern wird die Bertholini-Herzen noch lange bewegen. Für uns ein absoluter Traum! Danke! Da muss man, wie auch Hans Söllner kurze Zeit später im Burghof wusste, schon wirklich einmal lobend Danke sagen! An dieser Stelle übergebe ich kurz die Tastatur, um über einige Geschehnisse am Rande des Festivals berichten zu lassen – sozusagen eine schriftliche Sondersendung – oder besser gesagt ein…

Semi-Esoterisches Addendum
Der gestrige Tag lässt vermuten, dass der Karma-Topf, in den man mit guten Taten einzahlt, wirklich und beinahe bewiesen kein Bodenloser ist, sondern bei besonders hohen Einzahlungen auch durchaus in der Lage ist, schnell Dividenden auzuschütten.
Aber zunächst zu unserer Einzahlung: am Nachmittag hatten wir die Zeit, ein wenig durch den Park zu schlendern, die großartigen Deadly Gentlemen zu hören und Congo-Trance zu erleben. Auf dem Rückweg von eben diesem Park rettete Lobos einer großen, grünen Raupe potenziell das Leben, indem er sie vom Fußgängerweg in die Wiese umsiedelte. Nur 500 Meter weiter, auf der gleichen Straße (von nun an Karma-Meile genannt), fanden wir auf der Treppe zum Bahnhof den gleichen älteren Herren, von dem wir zwei Stunden früher gedacht hatten, er genösse seine freie Zeit und schlummert ein wenig im Schatten. Felix sprach ihn an und der Herr versicherte auf weder ganz nüchterne noch überzeugende Weise, dass es ihm gut gehe und er keine Sanitäter um sich herum haben möchte. Da wir aber eben dabei waren, möglicherweise Leben zu retten, sprachen wir die Sanitäter im nahen Cateringzelt auf diesen Herren an und ein kühles Getränk später war auch diesem hilflose Wesen geholfen worden.
Mit geschwollener Brust machten wir uns auf den Weg zur Burgterrasse, auf der wir kurz darauf spielen würden und fragten uns, ob das Karmakonto schnell, langsam, geballt oder tröpfchenweise zurückzahlt. Einen Auftritt später, bei dem auch durch Zufälle alles besser lief, als es planbar gewesen wäre, standen wir selig bei Hans Söllner und unserem Abschiedsbier und waren uns einig: ins Karmakonto einzahlen lohnt sich.

Einige Bilder von unserem unfassbaren TFF-Wochenende gibt es bereits hier bei Flickr. Das sollten in den nächsten Tagen auch noch mehr werden, reinschauen lohnt sich auf jeden Fall! Kommen wir nun zu etwas ganz anderem…

Erster auf dem deutschen Balkon!

Ein leider weit entfernter Höhepunkt des Wochenendes wartete ebenfalls mit einer enormen Überraschung auf! Wir haben am vergangenen Freitag tatsächlich den Balcony TV Music Award 2009 in der Kategorie Best New German Act gewonnen. Einige wenige Infos vom Balkon selbst gibts u.a. hier, abgesehen von der Erfolgsmeldung haben wir – weil unterwegs – auch noch nicht viele Informationen. Die Veranstaltung scheint von der Polizei aufgelöst worden zu sein, es war also wohl ein rauschendes Fest! Wir freuen uns jedenfalls riesig über die Auszeichnung! Vielen Dank nach Hamburg/Dublin/London! Der Award ist bereits auf dem postalischen Weg zu uns! Gratulation! Zum Glück hatten wir bereits letzte Woche kurz Zeit, dieses Danke-Video zu produzieren! So eine Überraschung…

July 5, 2009

Tag 1 in Rudolstadt

Ich hatte ja bereits gestern erwähnt, dass unser Gastspiel beim Tanz- und Folkfestival in Rudolstadt zwei Tage andauert. Das hat den überaus angenehmen Nebeneffekt, dass wir nach der ersten Show gestern Abend heute den bisherigen Tag in unserem ebenso abgeleggenen wie friedvollen Domizil oberhalb des Ortes gelegen verbringen können. Der Begriff “Quality Time”, der während unserer Tour Anfang des Jahres so oft verwendet wurde wird hier gerade neu definiert. Während ich dies also schreibe, sitze ich im Schatten eines außerordentlichen Kastanienbaumes, der dem liebevoll gepflegten, zum Tal hin geöffneten Hof des ehemaligen bäuerlichen Gutshofes als Zentrum dient. Die stille Abgeschiedenheit wird vom sanften Rauschen der Blätter und einer lieblichen Sommerluft aufs angenehmste… ich schweife ab! Schluss mit der romantischen Naturbetrachtung!

Welch ein Festival! Welch großartiges Konzert gestern Abend. Ohne Zweifel einer, wenn nicht der Höhepunkt unserer bisherigen Laufbahn auf den Bühnen dieser Welt. Die ganze Stadt Rudolstadt arbeitet und ist eigentlich dieses Festival – tatsächlich im Sinne des dafür Lebens. Der Großteil der Innenstadt ist umzäunt und so gleichsam zum Festivalgelände umfunktioniert. Unzählige große und kleine Bühnen und andere Spielorte zeigen Konzerte und Tanzgruppen aus aller Welt und die Besucherzahl des Festivals geht weit über die Einwohnerzahl der Stadt hinaus.

Wie es der Zufall so will haben wir, die Great Bertholinis, die große Ehre am Festival-Samstag das letzte Konzert auf der großen Marktplatzbühne zu bestreiten. Ich habe mich hier schon des öfteren über geringe Ausmaße von Bühnen ausgelassen. Gestern ermahnte uns gerade die schiere “Weite” der Bühne, uns nicht allzu entfernt voneinander zu positionieren, um das unabdingbare Gemeinsamkeitsgefühl nicht zu gefährden. Ein großartiges Gefühl, auch auf der großen Bühne! Das Wetter ließ uns diesmal auch nicht im Stich, so dass sich vor der riesigen Bühne auch eine riesige Menschenmasse einfand. Und was soll ich sagen? Es hat funktioniert! Der weite Platz war erfüllt von Bertholini-Klängen und freudig erregten Gesichtern, wippenden Zuhörern und teilweise wild zuckenden Tänzern. Wunderschön! Mehr kann ich dazu gar nicht sagen…

July 4, 2009

Koblenz Florinsgarten

Die Vorfreude auf das gestrige Konzert in Koblenz hatte die eine oder andere schwere Prüfung zu bestehen. Die wiederholten verkehrsbedingten Stauungen und die der dadurch entstandenen Verzögerung geschuldete Streichung der Pausen wurden von einem wenig verheißungsvollen Anruf seitens des Veranstalters getoppt, der von sturzbachartigen Regenfällen berichtete. Für den Meteorologen fällt das in die Kategorie “regionales Unwetter” und ist als solches ein interessantes Phänomen, Veranstalter und ohnehin Musiker leiden bisweilen sehr unter dieser Ärgerlichkeit. Es stand also zu befürchten, dass der Abend unter einem schlechten Stern stünde, böse Zungen munkelten gar, er würde erst gar nicht stattfinden.

In Koblenz angekommen hatte sich der Sturm allerdings nicht nur gelegt, sondern hatte mittlerweile auch das weite gesucht. Die Straßen trocken, der Himmel blau, nur eine enorme Luftfeuchte und die Nässe der Plastikbestuhlung im Florinsgarten ließen nicht an der Wahrheit der Unwettergeschichte zweifeln. Immerhin das Blatt hatte sich zu unseren Gunsten gewendet und einem Abend mit hochkulturellem Anhauch stand nichts mehr im Wege.

Allgemein bietet uns dieses Koblenz eine historisch anheimelnde, respektvolle Kulisse. Hier beobachtet u.a. der steinerne Kaiser Wilhelm die Mosel und den Rhein bei ihrer Vereinigung. Und nur einige hundert Meter entfernt von dieser deutschen Ecke in der Koblenzer Altstadt ist der Garten hinter der Florinskirche alljährlich malerischer Schauplatz der “Sommernächte im Florinsgarten”. Der Abend wird wenn nicht lau so doch wenigstens Schwülwarm und die tolle Akustik im begrünten, altehrwürdigen Sandsteinkirchhof tun ihr übriges. Ob dem anwesenden Publikum das Kulturbarometer mitunter zu weit von E-Musik Richtung U-Musik schwappte vermag ich nicht zu beantworten. Der Anfangs sehr konzentrierten Stimmung im bestuhlten Garten hatten wir eine sehr präzise und fein abgestimmte Höchstleistung entgegenzusetzen. Diese diffizile Kennenlernphase wurde aber schließlich überwunden und nach dem einen oder anderen Plausch etwa über das nahe gelegene, längst stillgelegte Atomkraftwerk oder die beiden Glockentürme im entfernten Konstanz bog man schließlich gemeinsam auf die Zielgeraden ein und dreht sogar noch eine extra Zugabenrunde. Ohne Zweifel ein Abend mit Stil.

Einschub: ich bin mir auch hier nicht sicher, ob wir einem allgemeinen Trend folgen, oder ein unbestimmtes Schicksal uns mal wieder zusammengeführt hat, aber eine neue Gewohnheit scheint sich innerhalb der Band zu manifestieren. Eine plötzliche Lust auf Käsekuchen – vielerorts auch Quarkschnitte genannt – greift um sich. Ein ungewohntes und sehr überraschendes Phänomen Ich bin sehr gespannt, wie sich das im Laufe des Wochenendes weiter entwickelt.

Apropos Wochenende! Wir sind augenblicklich unterwegs nach Rudolstadt, wo schon am Donnerstag mit einem Sonderkonzert von Gogol Bordello das traditionsreiche TFF eröffnet wurde. Das Programmheft ist ein Buch, u.a. Lucinda Williams und Hans Söllner geben sich die Ehre, viele der Künstler aus aller Welt (so auch wir) treten gleich zwei mal im Rahmen des Festivals auf. Hitzige Vorfreude erwärmt den Bus, ich melde mich bei nächster Gelegenheit! Bis dahin…

July 2, 2009

Die zweite Fusion | Mainz mit Dendemann

…die schwerfällige Ordnung und Gesetzlichkeit des Alltags aufgehoben, die Hindernisse und Umständlichkeiten, die im gemeinen Leben sich der Begierde entgegenstellen, auf schwebende und glückselige Weise beiseite geräumt….

Das Fusion-Festival in Lärz! Welch Überschwang! Welch lichterloher Irrsinn aller Spielarten. Ich habe schon letztes Jahr an gleicher Stelle versucht die Außerordentlichkeit dieser Veranstaltung in Worte zu fassen, allein es kann nur ungenügend gelingen. Unser Gastspiel in Rostock bescherte uns das Vergnügen auch dieses Jahr, jedoch auf anderer Bühne, Teil dieses umfassenden Spektakels zu sein. Wie sehr einen diese Welt im Wesen verzaubert kann vielleicht die Tatsache beleuchten, dass die normalerweise kulinarisch recht kritischen Bertholinis nach dem überschwänglichen Konzert geschlossen und ausgiebig dem veganen Tofu-Seetang-Gulasch zusprachen und sich anschließend bereitwillig in die Schlange stellten, um das verwendete Geschirr eigenhändig abzuspülen. Schöne neue Welt!

Noch in der Nacht gings – deutlich sachlicher – aber schon weg vom Festivalgelände, um die samstägliche Marathonfahrt nach Mainz etwas abzukürzen. Nach eineinhalb Stunden Nachtfahrt gelangten wir in unsere verwirrend günstige Pension: im Garten singen Kanarienvögel und Sittiche und Oma und Opa machen selbst das Frühstück für die Gäste (die selbstgemachte Marmelade wurde aber sehr skeptisch beäugt). Und weitere 700km später stehen wir dann auf dem Campus der Mainzer Uni. Das ASTA-Sommerfest steht an, eine riesige Veranstaltung! Allerdings setzt kurz nach unserer Ankunft leichter Nieselregen ein, was der allgemeinen Open-Air-Stimmung einen kleinen Dämpfer verpasst.

Eine riesige Veranstaltung mit einer großen musikalischen Bandbreite. Während wir hinter der Bühne ausladen erschallt bereits der lauthals proklamierte (und eher zweifelhaft innovative) “Progressive Jazz-Funk” der Mainzer Band afishnamedmo. Der Regen hat mittlerweile aufgehört und als wir die Bühne betreten haben dann schon deutlich mehr Mainzer den Weg zum Campus gefunden. Der riesige Platz füllt sich langsam und die Stimmung steigt während des Konzertes prächtig an! Schön zu sehen, dass wir hier keine Unbekannten sind: einige Leute kennen offenbar unsere Texte und beteiligen sich gesanglich am Großteil der Songs – überraschend! Wie voll der ohnehin große, kopfsteingepflasterte Campusplatz zu Mainz werden kann ist leider erst später am Abend zu beobachten. Der gute Dendemann samt Band hatte schließlich noch deutlich mehr Mitsänger zur Unterstützung.

Ankündigungen: Wir werden auch das kommende Wochenende wieder unterwegs sein und es besteht an zweierlei Orten dreimal Gelegenheit für euch uns zu sehen. Am Freitag dem 3.7. sind wir in Koblenz zu Gast und sowohl Samstag als auch Sonntag werden wir im Rahmen des größten Folk-Roots-Weltmusik-Festival Deutschlands in Rudolstadt zu sehen sein. Und nicht vergessen: Morgen werden auch die BalconyTV Music Video Awards in Dublin verliehen! Wir sind immer noch im Rennen, also drückt die Daumen!

Eine weitere kleine Sensation versteckt sich hinter dem folgenden Link zu unseren Freunden vom Fernsehsender ARTE. Auf den ersten Blick nur ein interessanter Beitrag über Bike-Polo im Magazin TRACKS – wer allerdings genau hinsieht oder vielmehr hinhört, wird etwa in der Mitte des Beitrags zweifellos positiv überrascht sein. Wir warens jedenfalls und sinds eigentlich immernoch! The waltz & the failure bei ARTE, einfach so…