Koblenz Florinsgarten

Die Vorfreude auf das gestrige Konzert in Koblenz hatte die eine oder andere schwere Prüfung zu bestehen. Die wiederholten verkehrsbedingten Stauungen und die der dadurch entstandenen Verzögerung geschuldete Streichung der Pausen wurden von einem wenig verheißungsvollen Anruf seitens des Veranstalters getoppt, der von sturzbachartigen Regenfällen berichtete. Für den Meteorologen fällt das in die Kategorie „regionales Unwetter“ und ist als solches ein interessantes Phänomen, Veranstalter und ohnehin Musiker leiden bisweilen sehr unter dieser Ärgerlichkeit. Es stand also zu befürchten, dass der Abend unter einem schlechten Stern stünde, böse Zungen munkelten gar, er würde erst gar nicht stattfinden.

In Koblenz angekommen hatte sich der Sturm allerdings nicht nur gelegt, sondern hatte mittlerweile auch das weite gesucht. Die Straßen trocken, der Himmel blau, nur eine enorme Luftfeuchte und die Nässe der Plastikbestuhlung im Florinsgarten ließen nicht an der Wahrheit der Unwettergeschichte zweifeln. Immerhin das Blatt hatte sich zu unseren Gunsten gewendet und einem Abend mit hochkulturellem Anhauch stand nichts mehr im Wege.

Allgemein bietet uns dieses Koblenz eine historisch anheimelnde, respektvolle Kulisse. Hier beobachtet u.a. der steinerne Kaiser Wilhelm die Mosel und den Rhein bei ihrer Vereinigung. Und nur einige hundert Meter entfernt von dieser deutschen Ecke in der Koblenzer Altstadt ist der Garten hinter der Florinskirche alljährlich malerischer Schauplatz der „Sommernächte im Florinsgarten“. Der Abend wird wenn nicht lau so doch wenigstens Schwülwarm und die tolle Akustik im begrünten, altehrwürdigen Sandsteinkirchhof tun ihr übriges. Ob dem anwesenden Publikum das Kulturbarometer mitunter zu weit von E-Musik Richtung U-Musik schwappte vermag ich nicht zu beantworten. Der Anfangs sehr konzentrierten Stimmung im bestuhlten Garten hatten wir eine sehr präzise und fein abgestimmte Höchstleistung entgegenzusetzen. Diese diffizile Kennenlernphase wurde aber schließlich überwunden und nach dem einen oder anderen Plausch etwa über das nahe gelegene, längst stillgelegte Atomkraftwerk oder die beiden Glockentürme im entfernten Konstanz bog man schließlich gemeinsam auf die Zielgeraden ein und dreht sogar noch eine extra Zugabenrunde. Ohne Zweifel ein Abend mit Stil.

Einschub: ich bin mir auch hier nicht sicher, ob wir einem allgemeinen Trend folgen, oder ein unbestimmtes Schicksal uns mal wieder zusammengeführt hat, aber eine neue Gewohnheit scheint sich innerhalb der Band zu manifestieren. Eine plötzliche Lust auf Käsekuchen – vielerorts auch Quarkschnitte genannt – greift um sich. Ein ungewohntes und sehr überraschendes Phänomen Ich bin sehr gespannt, wie sich das im Laufe des Wochenendes weiter entwickelt.

Apropos Wochenende! Wir sind augenblicklich unterwegs nach Rudolstadt, wo schon am Donnerstag mit einem Sonderkonzert von Gogol Bordello das traditionsreiche TFF eröffnet wurde. Das Programmheft ist ein Buch, u.a. Lucinda Williams und Hans Söllner geben sich die Ehre, viele der Künstler aus aller Welt (so auch wir) treten gleich zwei mal im Rahmen des Festivals auf. Hitzige Vorfreude erwärmt den Bus, ich melde mich bei nächster Gelegenheit! Bis dahin…

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