Mit Dio in Bladel

Am Wochenende gings zur Abwechslung mal in die Niederlande. In Bladel, in der Nähe von Eindhoven, findet seit 32 Jahren – und in der zweiten Generation – das Totaalfestival statt, ein 7 Tage andauerndes Stadtfest, dass eher den Charakter eines Openair-Festivals hat. Das Lineup der Veranstaltung klang schon im Vorfeld vielversprechend. Neben den Labelkollegen von Sturrbaard Bakkebaard („Put y‘ piemel on the record!“) waren am Sonntag Abend auch Firewater vertreten, mit denen wir bereits am Fusion-Festival Bekanntschaft gemacht hatten. Schon als wir das Gelände und insbesondere den Backstagebereich betraten schwante uns allerdings, dass der wahre Headliner und Publikumsmagnet des Festivals ein uns bis dato völlig Unbekannter war. Das Konzert von Dio & the Madd war bereits in vollem Gange und trotzdem scharten sich am Backstagezugang bereits weibliche Teenager, denen die Musik wohl weniger wichtig war als die persönliche Nähe zum (holländischen) Star. Den netten jungen Herrn und seine Band mit den zwei senkrechten Streifen auf den Pullis konnten wir des nächstens noch im heimischen Musikfernsehen bewundern. Aber der Reihe nach…

Etwa zum gleichen Zeitpunkt als der Backstagezaun durchzubrechen drohte, erfuhren wir, dass unser Konzert nicht auf der ungewöhnlich gestalteten Hauptbühne sondern auf der gegenüberliegenden Zeltbühne als Abschluss des Abends stattfinden sollte. Man muss dazu sagen, dass unsere letzte Konzerterfahrung in Holland ein recht eigentümliches Konzertverhalten der Holländer offenbarte und wir diesbezüglich nicht ganz unbesorgt ins Rennen gingen. Damals standen recht spärlich an der Musik interessierte Vlaardinger fröhlich Bier trinkend, in geselligen Runden, teilweise mit dem Rücken zur Band und versuchten verzweifelt mit ihren Unterhaltungen gegen den Lärm von der Bühne anzukommen. Wir waren also gewarnt! Glücklicherweise trug aber wohl gerade die etwas Club-ähnlichere Atmosphäre der ebenfalls mit viel Mühe gestalteten Zeltbühne zur Zerstreuung unserer Befürchtungen bei. Man kann für holländische Stadtfestverhältnisse und angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit unseres Konzerts (Mitternacht) fast von konzentrierten Zuhörern sprechen. Schon nach wenigen Songs blickten alle Köpfe zur Bühne und sogar das eine oder andere Tanzbein schwang ausgelassen. Ein netter Abend und unser bis dahin sicherlich schönstes Konzert in Holland bzw. den Niederlanden.

Hatten sie uns am Abend in Sicherheit gewiegt, gab die Besonderheit unseres Engagements den Bladelern eine zweite und ausgezeichnete Gelegenheit, dem Konzertphänomen Holland gerecht zu werden. Wie letzte Woche schon erwähnt, fand unser zweites Konzert auf dem Totaalfestival beim traditionellen, musikalischen Sonntagsbrunch statt. Bisher immer ausschließlich für die Helfer des Festivals ausgetragen, wurde des „Kulturfrühstück“ in diesem Jahr erstmals für etwa 200 zahlende Gäste geöffnet. Im gleichen Zelt wurde also festlich eingedeckt und aufgetischt und um 11:30 bestiegen wir zum zweiten Mal innerhalb von 12 Stunden die Bühne. Leider konnte sich die gut gemeinte Veranstaltung nie ganz zwischen Frühstückskonzert und Konzertfrühstück entscheiden! Der Nieselregen übertrug sich wohl auch ein wenig auf die angeordnet leise gespielte Musik (und leider sind halt die leisen Songs oft auch die traurigeren…). Es entwickelte sich jedenfalls ein völlig anderes, teilweise sehr intensives Konzert, dass leider schwer unter dem omnipräsenten Gang zum Buffet zu leiden hatte. Vielleicht sollte man das ganze nächstes Jahr wieder nur für die Helfer ausrichten! Um die Stimmung jetzt wieder ein bisschen zu heben, hab ich hier noch einen netten Link, über den ihr rausfinden könnt, was Dio & the Madd zum Thema Zeitreise zu sagen haben: Tijdmachine.

Kurz der Ausblick über die nächste Woche. Schon am Mittwoch sind wir wieder zu Gange bei der Eröffnung des Sommernachtfilmfestival in der DESI in Nürnberg. Am Wochenende gehts dann weiter nach Aschaffenburg, wo wir am Sonntag beim schönen Kommz-Festival zu Gast sein werden. Bis dahin!

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