Chinesisches Vogtland

Die Stelzenfestspiele bei Reuth sind kein klassisches Festival! Also irgendwie trifft dieses Prädikat schon zu, aber wer einmal selbst dabei war wird meinem entschiedenen Nein zustimmen. Natürlich sind Mozart, Haydn und Tschaikowski auf selbstverständlichste Weise vertreten und der verheißungsvolle Dunst des Leipziger Gewandhauses lässt sich auf dem ganzen Gelände atmen. Womit wir schon bei dem zentralen Merkmal sind, das dieses Festival von anderen Festspieltagen unterscheidet: dem Festivalgelände. Ein weiteres untrügliches Zeichen für die herrliche Verquertheit der Veranstaltung ist die Tatsache, dass am Samstag Abend um 23:00 Uhr eine Band wie The Great Bertholinis die Bühne betritt…

Das verträumte Stelzen – ein kleines Vogtländisches Dörfchen mit gefühlt 450 Einwohnern – richtet diese eben doch an der klassischen Musik orientierte Veranstaltung seit fast 20 Jahren aus. Das alljährliche Highlight sozusagen. Wie Einheimische mir selbst berichteten, hatten damals Mitglieder des Gewandhausorchesters (die im Ort ein Häusschen bezogen) die Idee des Festivals in Form des orchestralen Musizierens auf der grünen Wiese. Dabei sei erwähnt, dass sich etwas außerhalb des Ortes der sogenannte Stelzenberg erhebt. Von der in der Tat äußerst grünen Gipfelwiese dieses Hügels hat man einen stattlichen Blick über die Gegend. Und genau hier erfreut also das Stelzenfestival jährlich Ohren und Augen der kultur-affinen Gästeschar. Mittlerweile kommt diese Gästeschar von weit her und der Spielort ist längst im Besitz des Festivalvereins. Dort wurde am Rande eines kleinen Wäldchens (mittlerweile der Campingplatz für die Festspielgäste) die sogenannte Festspielscheune errichtet.

Unser Eintreffen auf dem Gelände fällt mit dem Beginn des abendlichen klassischen Konzertes in der Festspielscheune zusammen. Ein äußerst überraschender Anblick: 60-70 chinesische Kinder haben gerade auf der Bühne Platz genommen, die Ältesten vielleicht 12-13 Jahre alt. Alle sind in hellgrüne, leicht traditionell anmutende Gewändern gekleidet und hantieren mit teilweise exotischen Streich-, Blas- und Zupfinstrumenten. Ein original chinesisches Klangerlebnis! Mannomann!

Mit einer Stunde Verspätung wegen der aufwändigen Umbauten des Orchesters (man stelle sich 70 chinesische Kinder vor, die wild durcheinanderwuseln) betreten wir um kurz nach 11 die Bühne. Mit dem Ende des „chinesischen Konzertes“ hatte sich die riesige Scheune vollständig geleert, erfreulicherweise füllt sie sich aber rasch wieder mit der jüngeren Hälfte des Festivalpublikums. Es wurde ein sehr nettes Konzert mit den Stelzenern, deren Ohren offensichtlich noch nicht genug hatten. Und ihre Beine hatten wohl schon nach ausgiebiger Bewegung gedürstet. Frauen, die mit Tüchern wirbelnd tanzen, Kreisformationen mit hochgereckten Armen, Standard- wie Ausdruckstanz überall! Die Leute in Stelzen wollten feiern, das war offensichtlich! Das taten sie auch – und wir mit ihnen. Unweigerlich mussten wir uns später am Lagerfeuer (und auch vom Bierverkäufer der kein weiteres Fass mehr anzapfen wollte) anhören, dass wir viel zu kurz gespielt hatten. Allerhand! Die wenigsten wissen halt, wann genug ist…

Nun machen wir eine kleine Konzertpause, um unsere neue CD fertigzustellen, neue Bandfotos zu machen und eine kleine Schellacküberraschung vorzubereiten. Live zu sehen sind wir erst wieder am 18.7. auf dem Burg-Herzberg-Festival. Eine Woche später auf dem Kuahgartn-OpenAir und am 1. August auf dem Bardentreffen wiederum in Nürnberg. Schönen Sommer bis dahin und schön Weltmeister werden…

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