Von Kartoffelwürsten, Hörnchen und leeren Bembeln

Zugegeben, das klingt erstmal ziemlich nach Kulinarik. Dabei will ich euch doch eigentlich von unserem letzten Konzert beim Frankfurter Stoffel erzählen. Wo waren wir das letzte Mal stehen geblieben? Richtig, unser Tross fuhr flugs von Jena gen Westen. In Frankfurt angekommen zeigte sich der Günthersburgpark von einer guten, leider nicht von seiner besten Seite. Nicht falsch verstehen, das ist ein wunderbarer kleiner Park mit schönen Wiesen, riesigen uralten Bäumen, einem vielversprechenden Spielplatz (wenn einem danach ist), Springbrunnenareal, gemütlichem Kiosk und vielem mehr. Allein man war sich nicht sicher, ob denn das Wetter halten würde. Böiger Wind und eine mittelgraue Wolkendecke verhießen vorerst nichts Gutes. Gesunder Optimismus war also bereits beim Soundcheck angesagt.

STOFFEL, was ist das? Der Name ergibt sich aus der eigenwilligen Abkürzung von ‚STalburg OFFEn Luft‘, wobei mit Stalburg das Stalburg Theater gemeint ist, ein ehrwürdiges Bühnenhaus im Frankfurter Nordend. Im Sommer werden dort allerdings die Türen verrammelt und man begibt sich in eben jenen Güntherburgpark, wo dieses (wie jedes) Jahr vom 8. Juli bis zum 8. August sage und schreibe an jedem einzelnen Tag 2 Konzerte-Schrägstrich-Aufführungen stattfinden. Es steht dort im Park eine ansehnlich große Bühne, viel Technik, ein Getränkeausschank mit lokalen Flüssigkeiten (womit wir schon fast beim Thema Bembel wären) und ein Grillstand mit vielgerühmten Biowürsten und natürlich der auch von mir im Titel erwähnten Kartoffelbratwurst, die übrigens ganz und gar nicht vegetarisch ist. Viel Platz ist ebenfalls und laut Veranstalter fanden sich am strahlend sonnigen Vortag ohne deutschem Frauen-WM-Viertelfinale geschätzte dreieinhalbtausend Leute ein. Vielversprechend.

Um 18.00 Uhr betrat Eva Croissant die Bühne, eine Singer/Songwriterin aus Karlsruhe, die sich und ihre Gitarre lediglich von einem Cajón (ihr wisst schon diese Trommelkisten) begleiten ließ. Zu Anfangs ihres Konzerts fielen ein paar vereinzelte Regentropfen, aber das sollten erfreulicherweise die einzigen des Abends gewesen sein. Wie vorhin schon angedeutet waren wohl Wetter- und Fussball-bedingt nicht annähernd 3000 Leute anwesend, aber die gut gefüllte Wiese genoß offensichtlich den Abend.

Nun ist ein Konzert in Frankfurt für uns mittlerweile schon etwas besonderes. Es ist die Heimat unseres Label und so haben auch wir die Finanzmetropole schon des Öfteren besucht und ins Herz geschlossen. Was einen daher umso mehr verwundert ist die Tatsache, dass einigen von uns – z.B. mir und oofenbar auch Todor – der Begriff „Bembel“ gänzlich ungeläufig war. Vor dem Konzert! Für ebenfalls Unwissende: Es handelt sich um eine „dickbäuchige Steingutkanne, die in südhessischen Gaststätten zum Ausschenken von Apfelwein benutzt wird“ (mehr hier). Es spricht eindeutig für diesen Abend, dass wir tatsächlich im Laufe des Konzerts – quasi im gegenseitigen Kulturaustausch – diese Wissenslücke vom Publikum erläutert bekamen, und das auf sehr eindrucksvolle Weise. Nach Todors mehrmaliger Erwähnung des leeren „Krugs“ (ein Flehen nach Apfelwein) hielt es offenbar ein waschechter Südhesse im Publikum nicht länger aus und äußerte sehr charmant eine Richtigstellung („Des heißd BEMBEL!!!“). Offenbar hatte Todor das aber akustisch nicht ganz verstanden und auf seine höfliche Nachfrage schrie nun wirklich das gesamte Publikum einstimmig den Namen des dickbauchigen Steinkrugs. Das wiederum hatte natürlich – neben der sofortigen Wiederauffüllung des Bembels – die unmittelbare Verbrüderung zwischen Band und Publikum zur Folge und dessen Fähigkeit zum gleichzeitigen Ausrufen wurde noch mehrfach auf die Probe gestellt. Fantastisch!

Erfreulicherweise fanden die Frankfurter das alles ebenso witzig wie wir selbst und forderten gleich zweifach Verlängerung, die wohl anders als bei den Fußballdamen sehr positiv ausging. Ein lang vergessener ‚Righteous Man‘ wurde sogar noch spontan eingeschoben, bis der Abend zum wieder einmal kreisförmig-polonaisierend gefeierten ‚Whispering Fools‘ ein fulminantes Ende fand. Sogar die Veranstalterin sprach später von „magischen Momenten“ (ihr den Beweis antretendes iPhone-Video habe ich leider bis heute nicht im Netz gefunden) und auch uns spielt in solchen Augenblicken die Gänsehaut einen Streich. Bertholini, Bertholini!!! Danke Stoffel!

Ein mediales Bonbon habe ich aber trotzdem noch. Kollege Laszlo war fleissig und hat diese Seite mit ganz viel Musik bestückt, Soundcloud sei dank. Über den Menüpunkt „MUSIK“ gelangt ihr zu einigen Tracks der letzten beiden Alben. Als Extra-Dankeschön an euch gibts hier nun die Wohnzimmerversion von „Time Machine“ zum anhören UND herunterladen. Viel Spass!

Wie und vor allem wo gehts weiter? Wir sind nächstes Wochenende am Sonntag (24.7.) im Einsatz und zwar bei „Sonntags ans Schloss“ in Saarbrücken. Um 18.00 Uhr solls losgehen. Bis dahin!

Euer Zoltán

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2 Gedanken zu „Von Kartoffelwürsten, Hörnchen und leeren Bembeln

  1. Petra Gismann

    So sorry, aber wir arbeiten noch am Film über den legendären Abend. Bisher hat fb die Aufnahme verweigert.
    Liebe Grüße
    Die „Veranstalterin“

    Antwort
  2. Pingback: T-Mania Festival Dalhausen | The Great Bertholinis

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