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Melancholy Mechanics

Schonmal ein kleiner Anfang des Reiseberichts vom Wochenende, den ich Freitag Nacht noch geschrieben, scheinbar aber nicht mehr veröffentlicht habe:

Es ist mitten in der Nacht, sechs Bertholinis genießen noch ein quöllfrisches Appenzeller im Backstageraum des Luzerner Treibhauses und die gediegene Müdigkeit eines langen, schönen, zunächst dahintreibenden, dann sich deutlich verdichtenden und schließlich konzertant kulminierenden Tages kommt über uns. Wie bereits auf vergangenen Reisen festgestellt, lohnt das Überqueren der Schweizer Grenzen in vielerlei Hinsicht. Nettigkeiten allenthalben, landschaftliche Hochgenüsse – und die allgemeine Freundlichkeit mündet wie selbstverständlich in ein vollends wertgeschätztes Konzert. Die Schweiz, Mannomann! Nach einem ebenfalls – aber völlig anders – verblüffenden Abend in Augsburg war diese Klangkur in den Alpen genau das richtige.

Einen Abend zuvor hatte uns das Kellergewölbe der Augsburger Mahagonibar das eine oder andere klangliche Bein stellen wollen. Gewohnt souverän meisterten jedoch Todor und Oszkar die durch das äußerst euphorisierte Publikum in der ersten Reihe zunächst etwas merkwürdige Stimmung. Sehr laut, sehr warm, schwieriger Sound, enge Bühne, insgesamt trotzdem erstaunliche Stimmung unter der örtlichen mehr Elektro- als Indiedisko.

Mehr fällt mir heute Nacht dazu nicht mehr ein. Das warme, nette Konzert inmitten sympathischer Menschen (Danke an DJane Jim für die Musik nach dem Konzert) bleibt damit hier leider unter Wert beschrieben. Jetzt gehts direkt ins Bett, vielleicht folgen morgen noch ein paar Zeilen. Gute Nacht!

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Es geht wieder los! oder Auf in den Süden!

Man kann es noch gar nicht glauben, aber so langsam macht sich wieder eine gewissen Vorfreude in unserer musikalischen Gemeinschaft breit. Das triste Herbstwetter mag die aktuelle Stimmung des in-sich-kehrens und gemütlich-daheim-sitzens noch verstärken – der Begriff „Herbstdepression“ ist nicht umsonst im deutschen Duden zu finden (zumindest fast). Jedenfalls verspüren wir nach der langen und harten Arbeit im Proberaum (die Vorbereitungen für das dritte Album laufen weiterhin auf Hochtouren) endlich mal wieder ein wenig frischen Reisewind um die Nase. Es ist mal wieder soweit! Endlich! Wir sind unterwegs! Drei Konzerte stehen an! Das heißt natürlich auch für euch: Buch zu, Teebeutel in den Schrank, Mütze auf und raus! Immerhin geht es in die Schweiz! Wir sind ab Donnerstag unterwegs und zwar hier:

am 05.11.09 in der Mahagoni Bar in Augsburg,
am 06.11.09 im Treibhaus in Luzern (CH) und
am 07.11.09 im RainBow in Immenstadt

Wenn ihr eure Mütze nicht findet, oder aus sonst einem Grund nicht persönlich anwesend sein könnt, ruft zumindest all eure Freunde in den betreffenden Gegenden an! Das wär doch das Mindeste! In Augsburg kennt doch z.B. jeder jemanden…

Das alles klingt jetzt so, als ob wir konzerttechnisch in den letzten Wochen total untätig gewesen wären. Der findige Leser wird es jedoch bemerkt haben und womöglich bereits mit dem Zeigefinger drohen. Richtig, da fehlen doch noch zwei Gigs! Na gut, ich erzähls euch!

13.10. München, Kunstfoyer der bayerischen Versicherungskammer, Vernissage A.R.Penck
Ich wehre mich gegen herbstliche Aprilscherzvermutungen! The Great Bertholinis wagen den Ausflug in die Münchner Museumsszene und versuchen sich als stilistischer Kontrapunkt in der Hochkultur. Der Name A.R.Penck wird dem einen oder anderen vielleicht sogar etwas sagen, ausgestellt waren Grafiken aus den Jahren 1979 – 89. Die Meinungen über unser Konzert bei dieser Veranstaltung gehen auseinander! Die einen sagen „Perfekt! Irre! Ein Wahnsinn!“, die anderen sagen „Ach so, die Band? Naja. Nett!“ und einer ging sogar soweit zu sagen: „Viel zu laut! Die Leute wollen sich unterhalten! Sofort abschalten!“. Was der freilich nicht anwesende, mittlerweile 70-jährige Künstler selbst davon gehalten hätte bleibt – obwohl es mich wie narrisch interessieren würde – im Dunkeln. In der großen Krise muss man halt mutig vorangehen und sich neue Käuferschichten hart aber ehrlich erarbeiten! Mein Lieblingsmoment des Abends sieht eine etwa 75-jährige etwas zerzauste, grauhaarige Dame, die sich ein ganzes „Run to hide“ lang an einem Boxenständer festgehalten hat (wohlgemerkt mit der Box auf Ohrhöhe) und nach dem Song ein strahlendes „Guat Sogi!“ (etwa: Gut! Finde ich!) herausbringt. München eben!

24.10. Hildesheim, Folk & Fusion-Festival auf dem Gut Trillke
Eine ganz andere Veranstaltung, vielleicht sogar das Gegenteil der eben beschriebenen Vernissage. Das Gut Trillke ist ein sehr schön im Grünen gelegenes, ehemaliges Krankenhaus, das mittlerweile durch einen Verein und/oder eine Genossenschaft der über 60 bewohnenden Parteien verwaltet wird, die über kurz oder lang Eigentümer des Gebäudes werden. Das Ganze nennt sich alternatives Wohnkonzept und fühlt sich tatsächlich ein wenig wie eine riesengroße WG an, ich kann gar nicht sagen woran das genau liegt. Neben den Wohnräumen gibt es diverse Gemeinschaftsräume wie z.B. eine Kulturkneipe im Erdgeschoss und einen herrlichen alten Ballsaal im 1. Obergeschoss. Genau dieser Teil des Hauses ist einmal im Jahr Schauplatz des Folk & Fusion-Festivals und die Veranstalter gaben uns tatsächlich die Ehre des Headliners. Vielen Dank! Vielleicht ist es gerade der improvisierte Charakter, der den Flair der Veranstaltung und dieses WG-Gefühl ausmacht. Wir essen in einem umfunktionierten Bewohnerzimmer, unser Backstageraum ist das Arbeitszimmer eines Bewohners, wir schleppen unsere Instrumente durch Küche auf die Bühne. „Zu Gast bei Freunden“ hat ein gewisser Franz mal gesagt, so ist das hier im Gut Trillke. Dementsprechend ausgelassen gings dann auch auf der gemütlichen Bühne zu – ein ungemein großer Spass! Abschließend wieder mein Moment des Abends, der vielleicht noch das WG-Gefühl etwas greifbarer macht: Etwa um 1 Uhr Nachts, kurz nach unserem Konzert, stehe ich vor unserem Backstageraum und der nebenan gelegenen (Unisex-)Toilette, als aus einer mit „Privat“ beschrifteten Türe ein etwa 5 Jahre alter Junge heraus tritt – Barfuss und nur mit T-Shirt und Unterhose bekleidet – und augenreibend in eben dieser Toilette verschwindet. Um ihn herum lärmen schwitzende und trinkende Festivalgäste, aber diese nicht weiter beachtend, eher mit geschlossenen als mit offenen Augen, tappst der Kleine zwei Minuten später wieder in sein Zimmer. Zu Gast bei Freunden und ihren Kindern…