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Tag 5 – Café Glocksee in Hannover

Gerade als ich beginne diesen Post zu Verfassen wird mir klar, dass meine Worte heute den famosen gestrigen Abend nicht mal annähernd in seiner Pracht und Fülle einfangen und beschreiben können. Ein echter Glanz- und Höhepunkt der Releasetour, wenn nicht unserer gesamten Konzerthistorie liegt hinter uns. Das Café Glocksee – wir waren ja bereits vor 2 Jahren auf der Tour zum letzten Album schon einmal hier zu Gast – präsentiert wöchentlich im Rahmen des Ruby Tuesday ein Konzert bei freiem Eintritt. Das schöne dabei ist, dass dabei der kleine Laden praktisch zum bersten Voll mit – mein Gefühl gestern – den sympathischsten Menschen der Stadt ist. Und obendrein war gestern scheinbar so viel los, dass ein Einlassstop nötig wurde und der Hof vor dem Club mit angeblich weiteren 150 Menschen bevölkert war. Mannomann! On a tuesday…

Drinnen ergab das natürlich die anspornendste Kulisse: Vor der Bühne, neben der Bühne, wo man auch hinsah, dicht gedrängt strahlende Gesichter und wippende Menschen! Tanzen ging erstmal gar nicht, dafür war einfach kein Platz. Einige textsichere Mitsänger konnte ich auch im Publikum ausfindig machen. Bei so viel Euphorie fällt es dem gemeinen Bertholini nicht sonderlich schwer zur gewohnt leidenschaftlichen Performance noch eine Schippe drauf zu legen. Wie gesagt, ein wunderschöner Abend mit riesengroßen Momenten.

Was soll da noch kommen? Das Hafenklang in Hamburg selbstverständlich! Wir haben bereits den Soundcheck hinter uns und der Rest der Band kommt hier gerade mit vollen Tellern an meinen Tisch. Guten Appetit!

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Bühnen mit Meerblick sind einfach was für uns: das Hafenklang direkt am Elbufer.

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Tag 3 – Peter-Weiss-Haus in Rostock

Das Dasein auf Tour, also die unfassbar viele gemeinsame Zeit im Kreise dieser engen, kleinen Gemeinschaft von uns 8 Menschen, gebiert natürlich eine unfassbare Unsumme an kleinen Geschichten. Und sind nicht u.a. diese Geschichten der eigentliche Grund für unsere musikalischen Ausfahrten? Einer von mehreren wenigstens? Geschichten die wir uns immer wieder erzählen werden? Z.B. als damals in Frankreich klein Oszkar auf den Baum kletterte und wir allesamt Angst hatten, dass er nicht heil wieder runter käme. Oder als wir mit einem herrlichen Kasten fränkischen Landbiers durchs nächtliche Hamburg steuerten. Oder die Episoden von Todors verschwundenem Geldbeutel. Der röhrende Hirsch. Die Sachsentherme. Die Reeperbahn. Krakau. Wien. The Nine Bertholinis. Fussball auf niederbayerischen Kleinfeldern. Ilses Erika. Miss Bielefeld. Oder das Fotoshooting bzw. Pete Doherty im Münchner Funkhaus. Oder als wir auf einer Autobahn im Sonnenuntergang mit Jeff Buckley Oszkars Onkel gedachten… Es gibt sooo viele von diesen Geschichten. So viele wunderschöne, süße und bittersüße, intensive Momente haben wir gemeinsam erlebt, dass es einen fast schaudert.

Und heute Abend sind wieder einmal zwei oder drei solche Geschichten dazugekommen. Ein weiteres wunderschönes Konzert mit konzentriert-wohlwollenden Rostockern die am Ende sogar einen drehenden Kreis bilden, der über unsere Bühne führt. So dass jeder einzelne Konzertgast quasi sein persönliches Hallo auf der Bühne abgibt. Drei Runden dreht dieser Zug, den Laszlo sogar für eine Umdrehung begleitet. Und alles während der zweiten Zugabe vor Oszkars Geburtstag. Die Entdeckung des Pfeffi, der uns mit frischem Atem durch ein langwieriges Würfelspiel bringt. Und nicht zuletzt zu so später Stunde die Aussicht auf einen gemeinsamen Off-day am Meer! Eben jener Pfeffi bringt mich zu solchen Nähkästchen-Posts, aber wenn es so innig einträchtig wie heute Abend zugeht werd ich nunmal sentimental! Fantastischer Abend in Rostock! Ich melde mich morgen vom Strand. Gute Nacht.

Wiedergutmachung in der Moritzbastei

Das haben wir wieder mal gut gemacht gestern! Ich bin sonst sehr sparsam mit uneingeschränktem Lob unserer eigenen Leistung, aber an dieser Stelle kann ich das nun doch einmal anbringen. Ein wundervolles Konzert! Der Gewölbekeller in der Moritzbastei – laut einem leidlich informativen Werbeplakat über einem Pissoir die einzigen noch existierenden Überreste der ersten Leipziger Stadtbefestigung – ist aber auch eine sehr hilfreiche Kulisse! Wie man u.a. dem Video aus dem letzten Posting ansehen kann verfügt der kleine Saal über ein beeindruckendes Repertoire an Lichttechnik, das obendrein von sehr fähigen Technikern bedient wird (hier nochmal Danke dafür, natürlich auch an Aiva die Tonfrau). Tolle Szenerie also und auch die anwesenden Leipziger machten einen sehr gut aufgelegten Eindruck: ausgelassenes Tanzen, Klatschen an den richtigen Stellen und in eindrucksvoller Lautstärke und – es gibt ja mittlerweile ein wenig Interaktion in unserem Set – auch hier wurde sehr sympathisch teilgenommen. Ein großes miteinander also, sehr schön, runde Sache.

Und heute gehts gleich weiter, wir sind auf dem Weg nach Würzburg ins Café Cairo. Auch hier waren wir bereits mehrfach zu Gast und sind daher in freudiger Erwartung eines weiteren Hochglanzabends. Bis später.

Ein Traum im Festsaal

Ein grandioser Höhepunkt unserer vorweihnachtlichen Konzertreise liegt hinter uns. Ein wunderschöner, ergreifender, ebenso besinnlicher wie ausgelassener und einfach runder Abend: unsere CD-Präsentation am vergangenen Donnerstag im Nürnberger K4-Festsaal. Der Abend begann mit der einfach be- und verzaubernden Peggy Reeder. Man denkt gerade noch darüber nach, wie alt wohl das Mädchen mit der Gitarre ist, aber dann fängt Sie an zu singen… Wirklich wunderschön. Danke Peggy!

Ja und dann begann ein gefühltes 90-minütiges Feuerwerk bei dem eigentlich alle geplanten Raketen zündeten (und auch die ein oder andere ungeplante). Tatsächlich war natürlicherweise die Nervosität und Anspannung bei diesem selbstveranstalteten Heimspiel deutlich höher als üblich. Umso mehr freuen wir uns über den gelungenen Abend. Der Sound war toll, die Illuminierung und das Ambiente wunderbar und das extra angelernte und erstmals live eingesetzte Streichertrio (danke Lolá, Nely und Lukasz) natürlich das Sahnehäubchen. Entsprechend direkt und positiv waren dann auch die Reaktionen im Saal, sodass sich schon nach wenigen Songs ein wohliges Wir-Gefühl einstellte. Schön! Jeder einzelne Song ein Genuss für sich – so kam mir das zumindest von der Bühne aus vor. Der Gipfel und als dritte Zugabe auch das einmalige Finale des Abends war die ebenfalls erstmals live performte Living-Room-Version von Time Machine. Und wenn ich daran denke bekomm ich immer noch ein bisschen Gänsehaut…

Aber der Touralltag hat uns bereits wieder eingeholt. Aktuell befinden wir uns auf der Heimreise von Gießen, wo wir gestern Abend im Ulenspiegel zu Gast waren. Ein gutes Konzert im gemütlichen Kellerclub. Aber die Erinnerungen daran verblassen bereits und werden überschattet von den reizenden Bildern aus dem festlich geschmückten K4… Ein wahres Wunder war übrigens auch mein ganz persönlicher Fußweg nach Hause. Die ganze Stadt lag nämlich mittlerweile unter völlig unberührten, knapp 20 Zentimeter hohem, frisch-fluffigen Pulverschnee, der herrlich unter den Fusssohlen knirschte. Mmmh…

Achja: Unsere vorweihnachtlichen Wege werden uns in der kommenden Woche nach Magdeburg und Braunschweig führen. Wer dort noch ein exklusives Geschenk braucht, wird an unserem goldig geschmückten, ledernen Merchkoffer bestimmt fündig werden. Bis dahin.

Doppelpack.at – Im Land des sich-aus-gehens

Ein zweitägiger Konzert-Kurztrip nach Österreich liegt hinter uns. Das schon am Donnerstag befürchtete Schneetreiben blieb glücklicherweise aus, so dass unsere Anreise nach Graz ohne große Zeitverwehungen vor sich ging. Das Grazer Orpheum war Schauplatz des Autumn Leaves Festivals, das alljährlich von der Songwriter-Plattform Platoo veranstaltet wird – einer Einladung, der wir sehr gerne gefolgt sind. In der sehr gediegenen Atmosphäre des Theaters findet ein 3-tägiges Indoor-Festival statt, bei dem an diesem Wochenende unter anderem unsere englischen Labelkollegen von The Miserable Rich oder gar Chris Garneau auf der Bühne stehen. Wir dürften den Eröffnungsabend (Donnerstag) als letzte Band beschließen.

Am gestrigen Freitag waren wir dann gut 300 km weiter westlich (hier hat uns dann der Winter erwischt) im Treibhaus in Innsbruck zu Gange. Ein toller Club, wobei das Wort Club in diesem Fall viel zu eng gefasst ist. Ich bin gar nicht genau im Bilde, was in diesem verwinkelten, mehrstöckigen Gebäude alles an Kultur, Kunst und Begegnung angeboten wird. Im Untergeschoss („unterm Volksgarten“) befindet sich jedenfalls eine überraschend große Konzerthalle mit durchaus namhaftem Programm. Freitags finden hier des öfteren Konzerte bei freiem Eintritt statt, was erfreulicherweise dafür sorgt, dass der wie gesagt große Club durchaus gut gefüllt ist.

Wie eigentlich bei all unseren bisherigen Konzerten in Österreich wurden wir – in Graz wie in Innsbruck – überaus herzlich empfangen. Das gilt an dieser Stelle zunächst den Veranstaltern, trifft aber eben auch sehr auf das Publikum zu. Wir haben uns erst kürzlich wieder einmal über spürbare Mentalitätsunterschiede seitens des Publikums in verschiedenen Regionen Deutschlands unterhalten, aber wenn ich so darüber nachdenke kann man (nach unseren bisherigen Erfahrungen) den älpenländischen Nachbarn in der Tat ein sehr gutes Zeugnis ausstellen! Mannomann! Wobei natürlich die auf Singer/Songwriter eingestellten Festivalgäste in Graz deutlich konzentrierter auftraten als die anfangs laut plaudernden Innsbrucker. Umso erfreulicher – und es ist jedesmal wieder herrlich, diesen Prozess zu beobachten – dass sich die Stimmung im Verlauf beider Konzerte deutlich zu unseren Gunsten entwickelte. Wobei ich in diesem Fall der regelrechten Euphorisierung der Innsbrucker einen eigenen Absatz widmen möchte.

Das Ausmaß, in dem sich die anfangs lautstark schwatzende Menge in ein „Bertholini, Bertholini“-kreischendes und mit uns feierndes Menschenknäuel verwandelte ist tatsächlich extraordinär. Ein sensationeller Abend! Ich kann nicht mehr sagen, mit welchem Song wir sie dazu bekommen haben, sich nicht weiter zu unterhalten, sich dann erst verhalten und schließlich Gliedmaßen-werfend zur Musik zu „bewegen“. Im Refrain von Guest Conductor kommt es zu ersten Verbrüderungen durch gemeinsame Choreographie, man kann schon fast von Performance sprechen. Am Ende der ersten Zugabe (Bright Days, wohl gemerkt fast der ruhigste Song im Set) singt der ganze Saal den abschließenden Chor so laut und anhaltend weiter, bis wir erneut in den Refrain einsteigen. Herrliche Interaktion! Den Gipfel findet der Abend – und hier bekommt man es als Musiker dann mit der Gänsehaut zu tun – einmal mehr in dem zu „Whispering Fools“ schon öfter angeregten Menschenkreis. Wobei auch hier eine neue Dynamik dadurch entsteht, dass die anfänglich starre Formation die wildesten Blüten treibt. Teilkreise bilden sich, einige rotieren regelrecht, rennen durch den Saal, es werden Kreuzungen, Kreisel und Tunnel gebildet, ein einmaliger Anblick. Lachen überall! Ich scheue mich, das Wort „Lebensfreude“ zu verwenden, aber das trifft es wohl einfach am besten. Und gerade diese strahlenden Gesichter hinterlassen das unglaublich wohlige Gefühl, dass wir Bertholinis – unabhängig davon, ob sich die Leute morgen noch an unseren Bandnamen oder die Songs erinnern können – diesen vielleicht 200 Menschen einen wahrlich spektakulären Abend beschert haben. Und umgekehrt! … Danke!

Cineastische Verwirrung in St. Leonhard

Vergangenen Sommer waren wir beim Kuahgarten-OpenAir im schönen St. Leonhard bei Wasserburg am Inn. Wir waren damals noch am Nachmittag zu Gast am on3-Südwild-Bus in Wasserburg, um am Abend – leider bei heftigem Dauerregen – eine gerade deswegen trink- und tanzwütige Menge zu begeistern. Schon damals wurde euphorisch ein baldiges Wiedersehen beschlossen, das nun am vergangenen Wochenende im „Club Leonhard“ in St. Leonhard/Babensham stattfand. In der ländlichen Gegend bekommt die Bezeichnung „Club“ ein gesunde, bayerische Prise Gemütlichkeit mit auf den Weg. In dem riesigen, alten Gasthaus wird der klassischen Gaststube (mit Massivholzeinrichtung und Trockenblumen) der im Eingangsbereich etwas deplaziert wirkende Billard-Tisch, ein Turnier-Kicker und ein Dart-Automat gegenübergestellt. Im ersten Stock öffnet sich einem dann völlig unvermittelt ein recht großer Konzertsaal, dessen Flair eher rustikal anmutet. Alternative bayerische Gemütlichkeit eben. Dementsprechend nicht ganz unpassend wurde das Wiedersehen sogleich mit einem herrlich frisch gebrannten Obstler zelebriert und später das Warten auf unser Abendessen mit schafkopfen überbrückt.

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Es sollte ein rauschender Abend werden, an dem ich unter anderem feststellen musste, dass die damalige Trinkwut der vom Regen gepeitschten Festivalgäste nicht wie von mir vermutet vom Wetter abhing. Oder auch, dass hohe Espressokultur mittlerweile an den unerwartetsten Ecken zu Hause ist. Tatsächlich traf man auch einige bekannte Gesichter, was natürlich immer erfreulich ist. Die erstaunlichste Begebenheit während des Konzerts an diesem Abend war allerdings eine cineastische.

Schon beim Konzert von „Mäkkelä’s Trash Lounge“ – und grenzt es nicht an ein Wunder, dass sich unsere von Nürnberg bzw. Fürth ausgehenden Konzertwege ausgerechnet hier kreuzen – wurde an die Seitenwand im Saal Filmisches projeziert. Es liefen amerikanische Stummfilme aus der Frühzeit des Kinos, die mehr als Lichtstimmung denn als Film wahrgenommen wurden. Als wir aber schließlich um kurz nach 24:00 Uhr die Bühne betreten, stelle ich verwundert fest, dass das Filmprogramm mittlerweile in der Neuzeit angekommen ist. Pulp Fiction – wohlgemerkt ohne Ton – beginnt gerade und ich merke bereits nach wenigen Sekunden, dass es keine geringe Herausforderung für meine Konzentration bedeuten könnte, nicht ständig über die gerade laufende Szene und den dazugehörigen Dialog nachzudenken. Die Szenen kennt man einfach in- und auswendig: Mia Wallace (Uma Thurman) beobachtet Vincent Vega (John Travolta) durch die Überwachungskamera (dazu: Zucker Serenade), Jules (Samuel L. Jackson) beißt in einen Burger von ‚Big Kahuna Burger‘ (von uns: Waltz & the failure), Jack Rabbit Slimss Twist Contest (immerhin: I’ll be fine), Captain Koons (Christopher Walken) schildert seine Erlebnisse mit einer goldenen Uhr (passend: The things I gave) und nicht zuletzt die Befreiung von Butch Coolidge (Bruce Willis) und Marsellus Wallace (Ving Rhames) aus den Fängen des Fetischs (eher unpassend: Guest Conductor)… alles viel zu lange nicht mehr gesehen! Es war dann zum Glück doch kein Problem mit der Konzentration – ein Konzert ist immerhin ein Konzert – aber ich fürchte unsere Vertonung dieses mittlerweile 16 Jahre alten Klassikers (und es war ein gut gespieltes Konzert) konnte dem Original nicht annähernd das Wasser reichen.

Weiter geht unsere Tour schon am kommenden Donnerstag in Österreich, genauer gesagt in Graz. Das Autumn Leaves Festival wird im dortigen Orpheum bis Sonntag andauern (u.a. mit The Miserable Rich und Chris Garneau). Und am Freitag gehts dann weiter nach Innsbruck. Bis dahin.

Chinesisches Vogtland

Die Stelzenfestspiele bei Reuth sind kein klassisches Festival! Also irgendwie trifft dieses Prädikat schon zu, aber wer einmal selbst dabei war wird meinem entschiedenen Nein zustimmen. Natürlich sind Mozart, Haydn und Tschaikowski auf selbstverständlichste Weise vertreten und der verheißungsvolle Dunst des Leipziger Gewandhauses lässt sich auf dem ganzen Gelände atmen. Womit wir schon bei dem zentralen Merkmal sind, das dieses Festival von anderen Festspieltagen unterscheidet: dem Festivalgelände. Ein weiteres untrügliches Zeichen für die herrliche Verquertheit der Veranstaltung ist die Tatsache, dass am Samstag Abend um 23:00 Uhr eine Band wie The Great Bertholinis die Bühne betritt…

Das verträumte Stelzen – ein kleines Vogtländisches Dörfchen mit gefühlt 450 Einwohnern – richtet diese eben doch an der klassischen Musik orientierte Veranstaltung seit fast 20 Jahren aus. Das alljährliche Highlight sozusagen. Wie Einheimische mir selbst berichteten, hatten damals Mitglieder des Gewandhausorchesters (die im Ort ein Häusschen bezogen) die Idee des Festivals in Form des orchestralen Musizierens auf der grünen Wiese. Dabei sei erwähnt, dass sich etwas außerhalb des Ortes der sogenannte Stelzenberg erhebt. Von der in der Tat äußerst grünen Gipfelwiese dieses Hügels hat man einen stattlichen Blick über die Gegend. Und genau hier erfreut also das Stelzenfestival jährlich Ohren und Augen der kultur-affinen Gästeschar. Mittlerweile kommt diese Gästeschar von weit her und der Spielort ist längst im Besitz des Festivalvereins. Dort wurde am Rande eines kleinen Wäldchens (mittlerweile der Campingplatz für die Festspielgäste) die sogenannte Festspielscheune errichtet.

Unser Eintreffen auf dem Gelände fällt mit dem Beginn des abendlichen klassischen Konzertes in der Festspielscheune zusammen. Ein äußerst überraschender Anblick: 60-70 chinesische Kinder haben gerade auf der Bühne Platz genommen, die Ältesten vielleicht 12-13 Jahre alt. Alle sind in hellgrüne, leicht traditionell anmutende Gewändern gekleidet und hantieren mit teilweise exotischen Streich-, Blas- und Zupfinstrumenten. Ein original chinesisches Klangerlebnis! Mannomann!

Mit einer Stunde Verspätung wegen der aufwändigen Umbauten des Orchesters (man stelle sich 70 chinesische Kinder vor, die wild durcheinanderwuseln) betreten wir um kurz nach 11 die Bühne. Mit dem Ende des „chinesischen Konzertes“ hatte sich die riesige Scheune vollständig geleert, erfreulicherweise füllt sie sich aber rasch wieder mit der jüngeren Hälfte des Festivalpublikums. Es wurde ein sehr nettes Konzert mit den Stelzenern, deren Ohren offensichtlich noch nicht genug hatten. Und ihre Beine hatten wohl schon nach ausgiebiger Bewegung gedürstet. Frauen, die mit Tüchern wirbelnd tanzen, Kreisformationen mit hochgereckten Armen, Standard- wie Ausdruckstanz überall! Die Leute in Stelzen wollten feiern, das war offensichtlich! Das taten sie auch – und wir mit ihnen. Unweigerlich mussten wir uns später am Lagerfeuer (und auch vom Bierverkäufer der kein weiteres Fass mehr anzapfen wollte) anhören, dass wir viel zu kurz gespielt hatten. Allerhand! Die wenigsten wissen halt, wann genug ist…

Nun machen wir eine kleine Konzertpause, um unsere neue CD fertigzustellen, neue Bandfotos zu machen und eine kleine Schellacküberraschung vorzubereiten. Live zu sehen sind wir erst wieder am 18.7. auf dem Burg-Herzberg-Festival. Eine Woche später auf dem Kuahgartn-OpenAir und am 1. August auf dem Bardentreffen wiederum in Nürnberg. Schönen Sommer bis dahin und schön Weltmeister werden…