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Der „innere laue Sommerabend“

Wie gerne würde ich euch von so einem richtig lauen Sommerabend am vergangenen Samstag in der Nürnberger DESI berichten. Einem Abend, an dem um kurz vor Elf noch keiner dran denkt, sich noch was anzuziehen und das Kaltgetränk gar nicht kalt genug sein kann. Bis spät in die Nacht sitzt man an so einem Abend über immer noch lauwarmen Pflastersteinen im DESI-eigenen Biergarten. Die uneingeschränkt positive Stimmung – oder sollte man hier von Laune sprechen – kann an so einem Abend rein gar nichts trüben…

Leider war es nicht genau so ein Abend! Das schöne aber war, dass zu einem von diesen Abenden eigentlich nur das nötige Wetter gefehlt hat. Zugegeben, es blieb trocken und zeitweise schien gar die Sonne auf rosige Abendwölkchen. Aber so richtig schön warm wars halt nicht! Ich hatte allerdings durchaus das Gefühl, dass sich Stimmungsmäßig der laue Sommerabend sehr wohl wahrnehmen ließ.

Der frühe Abend begann mit dem sympathischen Pascal Briggs, der (nur ausnahmsweise alleine) mit Gitarre und Stimme bewaffnet mitunter düstere Songs zum besten gab. Es folgte die nicht minder sympathische Damenkapelle aus München, die optisch wie musikalisch die eine oder andere Überraschung zu bieten hatten. Ich bin sogar der Meinung, dass sie vor allem musikalisch teilweise selbst überrascht waren – wenn ihr versteht, was ich meine. Dann wurde es auf einmal recht hektisch, weil unsereins an der Reihe war, das amphitheatrische Rund des DESI-Gartens zu betreten und nur wenig Zeit für Umbau und „Soundcheck“ blieb. Ich für meinen Teil – das ist aber jetzt mein subjektives Nähkästchen – brauchte zwei bis drei Songs, um eben jene Hektik abzuschütteln und den „inneren lauen Sommerabend“ zur Entfaltung kommen zu lassen. Wer die DESI kennt wird sich allerdings vorstellen können, dass sich in diesem Garten bei vollen Rängen und wohlgesonnener, heimischer Zuhörerschaft ein ganz formidables Konzert fast zwangsweise ergeben muss. Wunderschön! Ein Abend mit einigen Höhepunkten: gefeierte neue Songs, absurde Ansagen, unfränkische Publikumsreaktionen, viel Verwandschaft auf der Bühne, gefeierte alte Songs, unzählige Zugaben und schließlich (zur Abwechslung) ein Doppelgeburtstag! An dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch!

Die nächste Chance auf einen vollständigen lauen Sommerabend mit den Great Bertholinis besteht bereits am kommenden Samstag, dem 26.06. bei den Stelzenfestspielen bei Reuth! Das ist in der Nähe von Plauen, ich werde berichten…

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Tag 3 – Abenteuer mit Klaus Nomi

Wie sollte es anders sein, wir sind immer noch hier in Frankfurt, die Stimmung hält! Kleinere Streits und heftige Diskussionen zeigen nur, dass hier mit voller Energie und Liebe gearbeitet wird. Seit meinem letzten Post gestern Mittag sind zwei weitere Songs im Kasten (vom endgültigen Gesang mal abgesehen). „Who do you trust“ – wie „Run to hide“ ein Song, der schon viele Konzerte auf dem Buckel hat – erwies sich gestern Nacht noch als mehr oder weniger harte Nuss. Die ersten Weichen waren schnell gestellt, aber der Teufel stuk auch hier im Detail. Bis spät in die Nacht wurden Gesangsphrasen gedroschen, soll heißen: an den Melodien gefeilt. Wir haben das Ergebnis der gestrigen Nacht heute noch nicht gehört, man darf gespannt sein…

Der heutige Tag begann dementsprechend etwas später, aber umso produktiver. Unter dem Arbeitstitel „Adore“ wurde – nicht ohne vorher gemeinsam ein Klaus-Nomi-Video zur Inspiration zu konsumieren – wieder etwas sehr Überraschendes auf die Beine gestellt. Nach einigen kleinen Ausbesserungsarbeiten werden aktuell die mehrstimmigen Gesänge entwickelt und skizzenhaft eingesungen. Der endgültige Gesang soll mit etwas Abstand erst in einigen Wochen aufgenommen werden. Zum Abschluss noch der Hinweis auf die ersten optischen Eindrücke unserer ersten Tage aus diesem schönen Studio über den Flickr-Link hier zur Rechten oder hier.

Mit welchem Song es im Anschluss weitergehen soll, ist momentan noch offen, eine lange Nachtschicht ist aber wohl wieder sehr wahrscheinlich, ich melde mich wahrscheinlich morgen wieder…

Melancholy Mechanics

Schonmal ein kleiner Anfang des Reiseberichts vom Wochenende, den ich Freitag Nacht noch geschrieben, scheinbar aber nicht mehr veröffentlicht habe:

Es ist mitten in der Nacht, sechs Bertholinis genießen noch ein quöllfrisches Appenzeller im Backstageraum des Luzerner Treibhauses und die gediegene Müdigkeit eines langen, schönen, zunächst dahintreibenden, dann sich deutlich verdichtenden und schließlich konzertant kulminierenden Tages kommt über uns. Wie bereits auf vergangenen Reisen festgestellt, lohnt das Überqueren der Schweizer Grenzen in vielerlei Hinsicht. Nettigkeiten allenthalben, landschaftliche Hochgenüsse – und die allgemeine Freundlichkeit mündet wie selbstverständlich in ein vollends wertgeschätztes Konzert. Die Schweiz, Mannomann! Nach einem ebenfalls – aber völlig anders – verblüffenden Abend in Augsburg war diese Klangkur in den Alpen genau das richtige.

Einen Abend zuvor hatte uns das Kellergewölbe der Augsburger Mahagonibar das eine oder andere klangliche Bein stellen wollen. Gewohnt souverän meisterten jedoch Todor und Oszkar die durch das äußerst euphorisierte Publikum in der ersten Reihe zunächst etwas merkwürdige Stimmung. Sehr laut, sehr warm, schwieriger Sound, enge Bühne, insgesamt trotzdem erstaunliche Stimmung unter der örtlichen mehr Elektro- als Indiedisko.

Mehr fällt mir heute Nacht dazu nicht mehr ein. Das warme, nette Konzert inmitten sympathischer Menschen (Danke an DJane Jim für die Musik nach dem Konzert) bleibt damit hier leider unter Wert beschrieben. Jetzt gehts direkt ins Bett, vielleicht folgen morgen noch ein paar Zeilen. Gute Nacht!

Leipzig oder Endlich Chili!

Die gemütliche Lobby des Hotel Ibis in Leizig erlaubt mir zu später Stunde noch einige Zeilen über den heutigen Konzertabend mit der Familie Bertholini loszuwerden. Leipzig! Moritzbastei! Vor dem Konzert wurde uns gesagt, es handelt sich hierbei um die größte Studentenkneipe Deutschlands! Leider sind gerade Semesterferien! Nicht die allerbesten Voraussetzungen denkt sich der ewig skeptische Bertholini. Aber zum Glück wurden wir einmal mehr getäuscht, auch Leipziger Nichtstudenten – und nicht zu wenige – trauen sich in die Moritzbastei. Und sie haben es nicht bereut!

Kurzer Zeitsprung. Es ist knapp zwei Jahre her, da spielen die Great Bertholinis als Vorband der Labelkollegen Mardi Gras BB in der Leipziger Schaubühne Lindenfels (zwei unserer prominentesten youtube-Videos sind dabei entstanden). Ein fulminanter Abend, der für einige noch in eben jener Moritzbastei endet, die gelegentlich zu später Stunde auch Veranstaltungsort für kostenlose Tanzveranstaltungen ist. Schon damals betrachteten wir hoffnungsfroh die Bühne auf der wir heute, zwei Jahre später, spielen/spielen sollten/spielten.

Zwei Jahre später! Heute! Eine sehr gute, junge, persönlich auch sehr nette Vorband namens Noë (ë=alt-137) eröffnet für uns den Abend und um etwa halb11 betreten wir die hölzerne Bühne im Kellergewölbe tief unter der Erde (zumindest kommt es einem so vor, wer schonmal in der Moritzbastei war, weiß wovon ich rede…). Ja und was soll man mal wieder sagen – ein tolles Konzert! Der Saal ist voll! Nach den vielen Konzerten der letzten Zeit beginnt man, wie soll ich sagen … „Mentalitätsunterschiede“ wahrzunehmen. In Leipzig fühlen sich alle ab dem ersten Lied sehr wohl! Alles dreht sich, alles bewegt sich. Das Publikum tanzt, die Band spielt und versucht ebenfalls zu tanzen, und irgendwie steigert sich das Ganze von Song zu Song, bis am Ende der vielleicht lauteste Zugaben-Applaus der letzten Wochen uns durch die letzte Zugabe schiebt (Whispering fools zeigt einmal mehr, dass es genau dahin gehört)… Leipzig! Leipzig! Leipzig! Mannomann!

Ja und nun sitze ich (etwas verlassen) in der Ibis-Hotel-Lounge, trinke schwarzes Bier und kann nicht vermeiden auch an morgen zu denken. Wir haben eine lange Fahrt vor uns, Passau ist kein Katzensprung. Mal sehen, ob das östliche Bayern sich ebenso engagiert zeigt wie dieses Leipzig. Mannomann…