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Berliner Flair in Laufweite vom Stachus

— KLEINES UPDATE —
Hier gabs Feedback zum Konzert in Hersbruck:
Musik-Akrobaten ließen die Puppen tanzen

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Das ist ein knapper und unscharfer Einblick in das Münchner Import Export um etwa halb acht am vergangenen Freitag, also zur Zeit unseres Soundchecks. Links die Göthestrasse kurz vor Ladenschluß, rechts Gabor, Oszkar und Todor in Diskussion um die Monitorsituation. Das Import Export ist ein gemütlicher kleiner Club in einem ehemaligen türkischen Supermarkt mitten im Zentrum von München (der Bahnhof ist 5 Gehminuten entfernt). Ein abgewetzter, ursprünglich wohl einmal grüner Teppichboden, die etwas spontan wirkende Möblierung und unzählige anheimelnde, kleine Erinnerungsstücke an den Wänden sorgen für versiffte aber sympathische Wohnzimmeratmosphäre. Das Attribut sympathisch trifft auch auf die Betreiber zu, die den ganzen Laden jedoch nur noch knapp zwei Wochen schmeißen können, weil sie sich dann nach neuen Räumlichkeiten umsehen müssen – der Mietvertrag konnte nicht mehr verlängert werden.

Schade! Äußerst schade! Denn was sich an diesem Abend in dem dicht gefüllten kleinen Ex-Supermarkt noch abspielte übertraf an Konzertatmosphäre unsere kühnsten München-Erwartungen. Ein wundernetter Abend mit Leuten wie du und ich mitten in München. Mit einem tollen oder sogar – wenn man die technischen Vorraussetzungen der Anlage und den außergewöhnlichen Umstand bedenkt, dass der Tontechniker drei Songs zu spät zum Konzert erschien – spektakulären Konzert. Wie es genau zu Todors Äußerung – wir wären die ungarischen Modern Talking – kam, weiß ich nicht mehr. Aber es sagt wohl einiges über den langen Abend aus. Großes Kompliment jedenfalls für Berliner Flair in Laufweite vom Stachus! Wir drücken die Daumen, dass dieser Laden möglichst bald eine neue Bleibe findet und freuen uns auf ein Wiedersehen!

Tags darauf ging es nach Hersbruck ins Kick Kino. Hinter einer großen Leuchtschrift „City Kino“ in der Herbrucker Altstadt befindet sich ein kleiner Parkettsaal, der mich unweigerlich an Erzählungen meiner Mutter erinnerte, in denen sie sonntägliche Kinobesuche ihrer Jugend beschrieb. In dem etwas rustikal und kauzig wirkenden Saal fühlte man sich aber dennoch sehr wohl. Viel Holz und ein schwerer roter Samtvorhang hinter der Bühne ließen auf angenehmen Sound hoffen und schon die Vorverkaufszahlen verhießen ein volles Haus. So war es dann auch, schnell füllte sich das Parkett (einige der wenigen Kinositze hinten im Saal waren sogar reserviert) und es handelte sich um eine für fränkische Verhältnisse sehr tanzwütige Menge. Kurz: auch dieses Konzert war sehr ausgelassen. Singendes Publikum, gefeierte Zugaben und strahlende Bertholinis, die sich nach zwei sehr schönen Konzerten an einem Wochenende auf ihren recht kurzen Heimweg machten.

Und nach diesen beiden reizenden Vorgeschmäckern steht ab kommenden Freitag unsere 8-Tages-Tour an: Potsdam, Neutramm, Rostock, Hannover, Hamburg, Krefeld und Bielefeld sind unsere Stationen. Los gehts im Waschhaus in Potsdam und wenn man die Programm dieser Woche dort liest, kommt leise Vorfreude auf:

Montag: Wir sind Helden
Donnerstag: Christina Stürmer
Freitag: The Great Bertholinis

Es wird großartig werden, ich freu mich. Bis dahin.

Wellness für Musiker

Kurze Ergänzung aus aktuellem Anlass:

Rundschau vom 29.11.2009

Eine nette Überraschung hatte die Rundschau des bayerischen Rundfunks vom heutigen Abend (29.11.2009 18:45 Uhr) parat. Momentan noch hier zu sehen in der Mediathek des BR, wer weiß wie lange noch. Außerdem ist das Video der Akustikversion von „The day I leave“ mittlerweile hier online.

Der ursprüngliche Eintrag:
Das junge, frische und dabei überaus wundervolle on3-Festival im Münchner Funkhaus liegt hinter uns. Das überwältigendste Indoor-Fetival, dass wir nicht mehr ganz so jungen Bertholinis bisher sehen, fühlen, erleben durften. Die unfassbare technische Ausstattung, Erfahrung und Manpower einer öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunkanstalt, gekleidet in das an der jungen Zielgruppe orientierte Gewand des on3-Formats gehen bei diesem Festival eine atemberaubende Symbiose ein. Es fehlen einem fast die Worte! Schon die Räumlichkeiten suchen seinesgleichen. Die Studios 1 bis 3 am Münchner Rundfunkplatz 1 schnuppern nach 50-jähriger Orchester- und Choraufnahmetradition. Riesig hohe, holzvertäfelte Hallen, dabei mit modernstem Audio- und Lichtequipment versehen, wahrlich kolossal! Gleichzeitig wuselt und wimmelt es von Tonmeistern, Lichttechnikern, Kameraleuten, Security, Fotografen und sonstigen fleissigen Mitarbeitern mit Knopf im Ohr und Ablaufplänen in Händen. Alles ist sorgsamst bis ins Detail bedacht, geplant, organisiert und beschildert, um ja nichts dem Zufall anheimfallen zu lassen (das ist gemeint, wenn ich von öffentlich-rechtlicher Erfahrung und Manpower spreche). Das Wort „professionell“ ist also überaus zutreffend!

Bei so viel Professionalität könnte man vielleicht vermuten, dass eine etwas unpersönliche Kälte die allgemeine Stimmung trüben könnte. Mitnichten! Als Band begibt man sich dabei in eine sehr nette und wohlgesonnene Fürsorge-Maschinerie. Neben den als üblich zu bezeichnenden Annehmlichkeiten wie lecker Catering, ruhigem Backstageraum, hilfsbereiten Stagehands oder frischen Handtüchern auf der Bühne glänzt das Festival durch eine mit allen Wassern gewaschene, multimediale – wie soll ich sagen – „Wertschöpfungskette“? Wenn man (als Band) schon mal da ist, dann kann man doch auch gleich noch ein Interview für on3 mit Akustiksession im Fernsehstudio aufzeichnen und danach zum Fotoshooting gehen. Alle Konzerte werden selbstverständlich gefilmt und dann im Innenhof des Funkhauses dem rauchenden Publikum auf Großleinwand und per Livestream dem Rest der Welt online präsentiert. 5 Minuten nach dem Konzert drückt einem einer der netten Jungs mit dem Knopf im Ohr zwei CDs mit dem Konzertmitschnitt in die Hand. Währenddessen sind aber Todor und Oszkar schon wieder unterwegs in Sachen Interview. Eine kurze Aufzeichnung für Bayern3 und danach nochmal Live für on3-Radio-online. Auf dem Weg dahin sind sie in den Katakomben übrigens noch Pete Doherty über den Weg gelaufen, aber das nur nebenbei. Insgesamt also ein für uns ungewohntes aber äußerst angenehmes Promotion-Wohlfühl-Paket. All diese Erzeugnisse könnt natürlich auch ihr schon seit gestern Abend online ansehen und anhören. Auf den Seiten des Festivals findet ihr unter anderem eine Bildergalerie von unserem Konzert, die gestrige Version von „the waltz & the failure“ zum Download, das Interview und noch vieles mehr. Hier z.B. das ungewohnt freizügige Ergebnis unseres Fotoshootings:

The Great Bertholinis nackt

Bei all der Wellness vergesse ich hier fast unser sehr überzeugendes Konzert, das im größten und zur frühen Stunde schon bis ins hinterste Eck gefüllten Studio 1 stattfand. Bemerkenswert finde ich an dieser Stelle, dass uns das ganze multimedial aufzeichnende Tamtam um uns herum nicht davon abhalten konnte, zusammen auf der Bühne großen Spass zu haben. Mit diesem kleinen Lob in eigener Sache möchte ich für heute schließen, nicht ohne euch nochmal auf die on3-Seiten hier zu verweisen. Bei diesen Bands gibts viel zu entdecken, viel Spass beim stöbern! Achja und für unsere Freunde in Österreich gibts schon am nächsten Wochenende Gelegenheit zum Wiedersehen. Wir sind zusammen mit den Labelkollegen von Mardi Gras BB am Donnerstag im Rockhouse in Salzburg und am Samstag im Treibhaus in Innsbruck zu gast. Dazwischen am Freitag gibts sogar das große Hazelwood Roadshow Spektakel in Wien. Bis dahin!

Mit O’Death im Feierwerk

Ein Konzert München ist schon etwas besonderes! Zumindest arbeiten die Münchner selbst hart an diesem Ruf. Bisher ist es uns tatsächlich erst einmal gelungen, die bayerische Landeshauptstadt musikalisch zu bereisen. Man kommt scheinbar als Band nicht so leicht ran an die Münchner Bühnen, allein daraus entsteht schon ein gewisser Ehrgeiz. Ein etwas paradoxer Ehrgeiz, eilt doch dem Münchener Konzertpublikum der eher schwierige Ruf voraus, sich nicht besonders leicht aus der Reserve locken zu lassen. Die kühlen Hauptstädter also! Beim Konzert am vergangenen Freitag im Orangehouse des Feierwerks stand uns internationale Verstärkung in Form der New Yorker Band O’Death zur Seite (oder umgekehrt). Ihre eigene MySpace-Seite beschreibt ihre Musik kurz als „Folk / Metal“, diese Bezeichnung ist (meiner Meinung nach) aber zum Glück eher unzutreffend. Freilich ist beides vorhanden, aber der charakteristische schräge Charme kommt aus anderen Ecken! Live eine echte Erfahrung!

Gemeinsam sollte also wenn nicht ganz München, dann doch zumindest der Stadtteil Sendling in Wallung gebracht werden. Ich will gar nicht lange um den heißen Brei herum reden: natürlich ist es der ungarisch-amerikanischen Kooperation gelungen die Anwesenden zu spontaner Ausgelassenheit zu bewegen. Zugegeben, es hat etwas gedauert – insofern wurde das oben erwähnte Gerücht zumindest nicht widerlegt – aber am Ende hatten alle sichtbar großen Spaß am transkontinentalen Konzertabend! Die eine oder andere Schweißperle wurde vergossen! Und das mitten in München! Bzw. Sendling…

Und es nimmt weiterhin kein Ende, das nächste Konzert befindet sich bereits in Reichweite. Am kommenden Mittwoch (dem 11.3.) ist der Nürnberger MUZclub Ort des Geschehens. Wir hoffen wiedermal auf viele bekannte Gesichter!