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Doppelpack.at – Im Land des sich-aus-gehens

Ein zweitägiger Konzert-Kurztrip nach Österreich liegt hinter uns. Das schon am Donnerstag befürchtete Schneetreiben blieb glücklicherweise aus, so dass unsere Anreise nach Graz ohne große Zeitverwehungen vor sich ging. Das Grazer Orpheum war Schauplatz des Autumn Leaves Festivals, das alljährlich von der Songwriter-Plattform Platoo veranstaltet wird – einer Einladung, der wir sehr gerne gefolgt sind. In der sehr gediegenen Atmosphäre des Theaters findet ein 3-tägiges Indoor-Festival statt, bei dem an diesem Wochenende unter anderem unsere englischen Labelkollegen von The Miserable Rich oder gar Chris Garneau auf der Bühne stehen. Wir dürften den Eröffnungsabend (Donnerstag) als letzte Band beschließen.

Am gestrigen Freitag waren wir dann gut 300 km weiter westlich (hier hat uns dann der Winter erwischt) im Treibhaus in Innsbruck zu Gange. Ein toller Club, wobei das Wort Club in diesem Fall viel zu eng gefasst ist. Ich bin gar nicht genau im Bilde, was in diesem verwinkelten, mehrstöckigen Gebäude alles an Kultur, Kunst und Begegnung angeboten wird. Im Untergeschoss („unterm Volksgarten“) befindet sich jedenfalls eine überraschend große Konzerthalle mit durchaus namhaftem Programm. Freitags finden hier des öfteren Konzerte bei freiem Eintritt statt, was erfreulicherweise dafür sorgt, dass der wie gesagt große Club durchaus gut gefüllt ist.

Wie eigentlich bei all unseren bisherigen Konzerten in Österreich wurden wir – in Graz wie in Innsbruck – überaus herzlich empfangen. Das gilt an dieser Stelle zunächst den Veranstaltern, trifft aber eben auch sehr auf das Publikum zu. Wir haben uns erst kürzlich wieder einmal über spürbare Mentalitätsunterschiede seitens des Publikums in verschiedenen Regionen Deutschlands unterhalten, aber wenn ich so darüber nachdenke kann man (nach unseren bisherigen Erfahrungen) den älpenländischen Nachbarn in der Tat ein sehr gutes Zeugnis ausstellen! Mannomann! Wobei natürlich die auf Singer/Songwriter eingestellten Festivalgäste in Graz deutlich konzentrierter auftraten als die anfangs laut plaudernden Innsbrucker. Umso erfreulicher – und es ist jedesmal wieder herrlich, diesen Prozess zu beobachten – dass sich die Stimmung im Verlauf beider Konzerte deutlich zu unseren Gunsten entwickelte. Wobei ich in diesem Fall der regelrechten Euphorisierung der Innsbrucker einen eigenen Absatz widmen möchte.

Das Ausmaß, in dem sich die anfangs lautstark schwatzende Menge in ein „Bertholini, Bertholini“-kreischendes und mit uns feierndes Menschenknäuel verwandelte ist tatsächlich extraordinär. Ein sensationeller Abend! Ich kann nicht mehr sagen, mit welchem Song wir sie dazu bekommen haben, sich nicht weiter zu unterhalten, sich dann erst verhalten und schließlich Gliedmaßen-werfend zur Musik zu „bewegen“. Im Refrain von Guest Conductor kommt es zu ersten Verbrüderungen durch gemeinsame Choreographie, man kann schon fast von Performance sprechen. Am Ende der ersten Zugabe (Bright Days, wohl gemerkt fast der ruhigste Song im Set) singt der ganze Saal den abschließenden Chor so laut und anhaltend weiter, bis wir erneut in den Refrain einsteigen. Herrliche Interaktion! Den Gipfel findet der Abend – und hier bekommt man es als Musiker dann mit der Gänsehaut zu tun – einmal mehr in dem zu „Whispering Fools“ schon öfter angeregten Menschenkreis. Wobei auch hier eine neue Dynamik dadurch entsteht, dass die anfänglich starre Formation die wildesten Blüten treibt. Teilkreise bilden sich, einige rotieren regelrecht, rennen durch den Saal, es werden Kreuzungen, Kreisel und Tunnel gebildet, ein einmaliger Anblick. Lachen überall! Ich scheue mich, das Wort „Lebensfreude“ zu verwenden, aber das trifft es wohl einfach am besten. Und gerade diese strahlenden Gesichter hinterlassen das unglaublich wohlige Gefühl, dass wir Bertholinis – unabhängig davon, ob sich die Leute morgen noch an unseren Bandnamen oder die Songs erinnern können – diesen vielleicht 200 Menschen einen wahrlich spektakulären Abend beschert haben. Und umgekehrt! … Danke!

Mit Hazelwood in Österreich

Wir sind wieder zurück aus österreichischen Gefilden, zweimal standen wir im Nachbarland unter leuchtenden Hazelwood-Bannern auf der Bühne. Leider nur zweimal, die geplante dritte Show in Innsbruck am gestrigen Samstag wurde kurzfristig abgesagt. Zwei weitere Episoden der sogenannten Hazelwood-Roadshow fanden also am Donnerstag in Salzburg und am Freitag in Wien statt. Die famosen Hazelwood-Kumpane von Mardi Gras.BB waren ebenfalls angereist, um dem Namen unseres sinnstiftenden Labels in diesem Teil Europas ein Gesicht zu geben. Aber der Reihe nach…

3.12.2009 – Rockhouse, Salzburg (AT)

Schon am Nachmittag kam es zum freudig-freundschaftlichen Wiedersehen mit Mardi Gras.BB. Man kennt sich ja mittlerweile ganz gut und teilt sich in diesem Sinne auch recht routiniert Bühne und Backstageraum. Ein Scherz hier, ein Schwätzchen dort, schon früh merkt man, dass ein bis zwei lustige Abende anstehen – die Hazelwoodfamilie funktioniert prächtig. Auch das Publikum lässt uns nicht im Stich und erscheint zahlreich. Der Abend wird von der in Salzburg heimischen Band The Merry Poppins eröffnet. Ich fand das Konzert eigentlich sehr nett, war aber durchaus irritiert von dem hartnäckigen Gerücht, der Sänger leide an Schweingrippe (es ist eigenartig, was passiert, wenn man ein Konzert unter solchen Gesichtspunkten verfolgt…). Im Anschluss waren wir an der Reihe und ich bin im Nachhinein sehr froh, dass ich den Gedanken an ansteckende Krankheiten zu diesem Zeitpunkt schon wieder aus den Augen verloren hatte. So gesehen ein sehr angenehmes Konzert mit einigen bekannten Gesichtern im Publikum (wir waren ja bereits im Sommer beim Fest zur Festspieleröffnung in Salzburg zu Gast). Finale des Abends waren dann die wieder kraftvoll aufspielenden Mardi Gras.BB. Ein beeindruckendes Konzert und wir haben mittlerweile wie gesagt einige Konzerte dieser Band gesehen.

4.12.2009 – Szene, Wien (AT)
Schon am nächsten Tag ging es für uns und Mardi Gras.BB weiter um das gleiche Spektakel in der Hauptstadt Wien noch einmal aufzuführen. Auch hier wurden wir von einer heimischen Band unterstützt die in diesem Fall allerdings dem einen oder anderen hier bekannt sein dürfte: Fatima Spar and The Freedom Fries. Drei tolle Bands, die auch die Wiener ganz und gar nicht nicht kalt ließen. Prächtige Atmosphäre! Vor und hinter der Bühne! Anders hätten sich die knapp 30 Musiker auch keine 30 qm große Künstlergarderobe teilen können. Ein noch größeres Familientreffen als am Abend zuvor, das in 3 großartigen Konzerten mündete. Ein wundervoller Abend…

Nougat in der Mozartstadt

Am gestrigen Samstag verschlug es den Bertholini-Clan nach langer Abstinenz mal wieder über die deutsch-österreichische Grenze ins schöne Salzburg. Alljährlich wird dort zur Eröffnung der internationalen und renommierten Salzburger Festspiele das „Fest zur Festspieleröffnung“ gefeiert. Scheinbar ein wirklich besonderer Anlass. Durch die malerischen Gassen im Schatten des Mönchsberges kreuchen und fleuchen internationale Gäste! Wo – wie sonst auch – dichtgedrängt hiesige Delikatessen verspeist, Fiakerfahrten gebucht, Sehenswürdigkeiten fotografiert und Minutenkarikaturen angefertigt werden, finden an diesem Abend auch große und kleine, völlig kostenfreie Konzert- und Theatervorführungen statt. Jede Ecke wartet mit neuen Klängen (die übrigens vorwiegend der klassischen Musik zuzurechnen sind) und überall wandeln frohe Gesichter. Hie und da werden auf dieser Spielwiese der E-Musik – unsere „Vorband“ brachte beispielsweise ausschließlich Stücke von Haydn zu Gehör – aber auch bewusst Kontraste gesetzt. Anders konnten zumindest wir uns nicht erklären, dass auf einer der größten Nicht-Festspielbühnen im Hof Wolf Dietrichsruh unser Konzert angesetzt wurde. Für uns eine große und überaus angenehme Überraschung!

Und ich bin mir nicht ganz sicher, ob das versammelte, internationale Laufpublikum nicht auch ganz dankbar für diese U-musikalische Abwechslung war. Jedenfalls blieben die ansonsten Krapfenbrezen essend durch die Gassen streunenden Zuhörer in großer Zahl in unserem Universitätshof hängen. Und in jedem Fall ein besonderes Publikum! Ein sehr aufmerksames Publikum, im Sinne des konzentrierten Zuhörens. Ob das am Hang (oder zumindest an der Sympathie) zur Klassik liegt? Jedenfalls entwickelte sich eine entspannte und sehr wertschätzende Stimmung in unserem Hof (unweit von Mozarts Geburtshaus übrigens…). Neue Freunde in Österreich also! Wir werden übrigens Anfang Dezember dieses Jahres wieder in Salzburg sein, dann zusammen mit Mardi Gras BB, das könnte euch auch gut gefallen!

Bilder vom Wochenende gibts über diesen Link. Da sind neben den ersten Bildern von Oszkars neuen Gitarren-Aufklebern übrigens auch einige neue Bilder vom La Pampa Festival dazugekommen! Und hier sogar mal externe Flickr-Fotografierer, die uns in Rudolstadt gefunden haben. Und um den dramaturgischen Faden des vorhergehenden Blogeintrags kurz zu einem Ende zu verknoten, hier der kurze und nachträgliche Wetterbericht: nach kurzen und deftigen Regenschauern am Vor- und frühen Nachmittag, schien erneut mit Beginn unseres Konzertes bei strahlend blauem Himmel die Sonne! Wir gewöhnen uns langsam daran…

Wer sich erst kürzlich gedacht hat, er würde ganz gerne mal wieder nach Holland fahren, kann uns am nächsten Wochenende gerne in Bladel beim Totaalfestival überraschen. Wir sind jedenfalls da und freuen uns über bekannte Gesichter. Wir spielen übrigens nicht nur Samstag Nacht, sondern auch am Sonntag Vormittag zum musikalischen Brunch. Prost Mahlzeit!

Von Floras und Amazonen

Die Stimmung bleibt auf dem Nullpunkt. Zoltán weigert sich beständig, Sachen zu verstecken. Er fühlt sich missverstanden. Todors Schuh hinter dem Kopierer in Steyr – das könnte sein letztes Werk gewesen sein.

Mit ganz anderen Problemen hat Cousin Ferenc zu kämpfen, wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um ihn von der Dehydration abzuhalten.

Herausragende Neuigkeiten gibt es allerdings im Digitalen zu vermelden. Amazon hat unsere CD im Repertoire, diesmal auch mit echtem Cover (da gab’s beim letzten mal ein großes Durcheinander). Wer sich unser Cover mal in ungewohnter Umgebung ansehen will, sollte mal hier her schauen.
Wir machen jetzt unseren Soundcheck im Ostklub in Wien weiter und freuen uns auf den Abend.

Bahsd eh!

Zwischen dem südlichsten und dem östlichsten Konzert unserer noch jungen Reise hat uns das Routing wieder nach Steyr und damit ins Röda geführt. Eine kleine Stadt, ein großartiger Club. Hier waren wir bereits im letzten Jahr zu Gast, zusammen mit unseren kanadischen Brüdern und Schwestern von Friendly Rich & the Lollipop People. Noch vor dem Konzert wurden künstlerisch wertvolle Portraitaufnahmen aller Bertholinis gemacht, die demnächst digital hier erscheinen, eventuell sogar im Rahmen einer Ausstellung öffentlich zu sehen sein werden. Toitoitoi…

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Konzert! Heute Abend! Gut wars! Bahsd eh! Der Charme des österreichischen Publikums schwappte aufs schönste über und das neue Programm wusste offensichtlich zu begeistern. Lautstark geforderte Zugaben, qualifizierte Songwünsche (Gasoline) und eine beeindruckende Menschentraube an unserem Merch-Koffer nach dem Konzert machen allen Beteiligten große Freude… Danke Steyr!

Morgen gehts weiter nach Osten! In Wien wartet erneut der Ost-Klub auf uns…