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Zurück auf der Bühne

Fünf selig-übernächtigte Bertholinis (drei weitere sind bereits Nachts aufgebrochen) rollen gerade aus dem schönen Vogtland gen Südwesten heimwärts. Das erste Konzert nach etwa 10 Monaten liegt hinter uns, wieder einmal waren wir Gäste im Plauener Malzhaus. Das erste Konzert mit (fast) all den neuen Songs vom neuen Album! Spannend!

Zunächst machte sich allerdings bemerkbar, dass unsere Routine etwas gelitten hat. Wie sich beim Soundcheck herausstellte hatten wir beim Einladen am Proberaum einen kleinen Koffer zurückgelassen. Neben einigen Gitarreneffekten fehlte nun das Fußpedal für unser E-Piano. Während sich auf Todors Stirn bezüglich der generellen Machbarkeit des Konzerts ohne Pedal bereits erste Schweißtröpfchen bildeten, war es einmal mehr Universalbastler Ferenc, der die Situation mit überraschend einfachen Mitteln rettete. Lötkolben raus, flugs einen alten Türklingelknopf (ich will gar nicht wissen wo er den her hatte) mit nem Klinkenkabel verheiratet, anschließen … funktioniert bestens! Danke Ferenc!

Bestens funktioniert haben dann auch die neuen Songs später am Abend. Freilich kann man hier und da und an der Reihenfolge noch veredeln, aber grundsätzlich kann hier auch der sonst so selbstkritische Bertholini ohne weiteres ein „sehr vielversprechend“ vergeben. Mein persönlicher Höhepunkt des Abends war – abgesehen von „Happy to be here“ in nahezu doppelter Geschwindigkeit – einmal mehr „Haima“ von neuen Album. Wunderschön das!

Weiter geht es wie versprochen schon nächstes Wochenende in der Sonderbar in Coburg und beim „Rage against Abschiebung“ im K4 in Nürnberg. Im Zuge dessen will ich auch gleich nochmal an die Sendung „Puzzle“ im Bayerischen Fernsehen am kommenden Montag (5.5., also Morgen, 22:30 Uhr) erinnern. Mit dabei ein Beitrag über uns und unseren Beitrag zu diesem Festival. Bis demnächst

Zoltán

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Nur wer mitmacht kann gewinnen

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Unser Wettbewerbsbeitrag um den Eisernen Eversteiner ist abgegeben, wir werden sehen, was daraus wird. Ich persönlich finde es weiterhin bemerkenswert, dass wir zu solch einem waschechten Folkpreis überhaupt eingeladen wurden und gebe uns allenfalls Außenseiterchancen. Immerhin – der Publikumsreaktion zur Folge war der gut gefüllte, ürige Keller im Malzhaus voll und ganz auf unserer Seite und die kurzen Blicke die ich auf ausgefüllte Stimmzettel erhaschen konnte sprechen eine ähnliche Sprache. Wir sind weniger gespannt als einfach neugierig, wie die Jury unsere Leistung einordnen wird. Abgesehen vom Wettbewerbsrahmen war es ein überaus angenehmes und lustvolles Konzert nach so langer Pause. Wir waren immerhin ein gefühltes halbes Jahr nicht auf der Bühne! Auch wenn sich das schon nach wenigen Minuten auf der Selbigen nicht mehr so anfühlte…

Dem heutigen kurzen Transfer sei dank, hatten die Herren Bertholinis heute sogar mal wieder Zeit für Wellness! Mit nagelneuen Badehosen gings für einige Stunden in die salzigen Gewässer der Obermaintherme. Inklusive Soleinhalation, Sauna und Polonaise durch den Strömungskanal. Als sauberste Band der Stadt sind wir dann auch in wenigen Stunden – der Soundcheck läuft gerade – in der Sonderbar in Coburg zu sehen. Nach unserem letzten Konzert hier, einem sehr verschwitzten Abend, habe ich erstmals den Erwerb einer Sportbrille ernstlich in Erwägung gezogen. Mal sehen, ob der heutige Abend ähnlich euphorisch verläuft.

Euer Zoltán

Schluss mit Sommer

Rechtzeitig zum wettermäßigen Herbsteinbruch ist unsere kleine sommerliche Konzertpause beendet. Wir sind endlich wieder auf der Bühne und das gleich zweimal am kommenden Wochenende. Zunächst erwartet uns ein Wiedersehen mit unseren Freunden im Malzhaus zu Plauen. Vor einigen Jahren waren wir schon einmal bei der Eröffnung des renommierten Plauener Folkherbstes zu Gast. Damals waren wir im Rahmen des Eröffnungsabends aber noch nicht mit im Rennen um den dort verliehenen europäischen Folkpreis, den „Eisernen Eversteiner“. Wettbewerbe sind ja sonst nicht so unser Ding, aber in diesem Fall freuen wir uns natürlich außerordentlich über die Einladung. Am kommenden Freitag (14.10.) steigt ab 21:00 Uhr das „Wertungskonzert 4“. Ich hoffe wir sehen uns dort, neben der Jurymeinung ist nämlich auch die Gunst des Publikums ausschlaggebend.

Tags darauf (15.10.) gehts gleich weiter nach Coburg – und auch hier waren wir schon einmal zu Gange. Die Sonderbar wird am Samstag, ab 21:00 Uhr wieder unser Gastgeber sein. Ich werde berichten, bis dahin!

Euer Zoltán

Chinesisches Vogtland

Die Stelzenfestspiele bei Reuth sind kein klassisches Festival! Also irgendwie trifft dieses Prädikat schon zu, aber wer einmal selbst dabei war wird meinem entschiedenen Nein zustimmen. Natürlich sind Mozart, Haydn und Tschaikowski auf selbstverständlichste Weise vertreten und der verheißungsvolle Dunst des Leipziger Gewandhauses lässt sich auf dem ganzen Gelände atmen. Womit wir schon bei dem zentralen Merkmal sind, das dieses Festival von anderen Festspieltagen unterscheidet: dem Festivalgelände. Ein weiteres untrügliches Zeichen für die herrliche Verquertheit der Veranstaltung ist die Tatsache, dass am Samstag Abend um 23:00 Uhr eine Band wie The Great Bertholinis die Bühne betritt…

Das verträumte Stelzen – ein kleines Vogtländisches Dörfchen mit gefühlt 450 Einwohnern – richtet diese eben doch an der klassischen Musik orientierte Veranstaltung seit fast 20 Jahren aus. Das alljährliche Highlight sozusagen. Wie Einheimische mir selbst berichteten, hatten damals Mitglieder des Gewandhausorchesters (die im Ort ein Häusschen bezogen) die Idee des Festivals in Form des orchestralen Musizierens auf der grünen Wiese. Dabei sei erwähnt, dass sich etwas außerhalb des Ortes der sogenannte Stelzenberg erhebt. Von der in der Tat äußerst grünen Gipfelwiese dieses Hügels hat man einen stattlichen Blick über die Gegend. Und genau hier erfreut also das Stelzenfestival jährlich Ohren und Augen der kultur-affinen Gästeschar. Mittlerweile kommt diese Gästeschar von weit her und der Spielort ist längst im Besitz des Festivalvereins. Dort wurde am Rande eines kleinen Wäldchens (mittlerweile der Campingplatz für die Festspielgäste) die sogenannte Festspielscheune errichtet.

Unser Eintreffen auf dem Gelände fällt mit dem Beginn des abendlichen klassischen Konzertes in der Festspielscheune zusammen. Ein äußerst überraschender Anblick: 60-70 chinesische Kinder haben gerade auf der Bühne Platz genommen, die Ältesten vielleicht 12-13 Jahre alt. Alle sind in hellgrüne, leicht traditionell anmutende Gewändern gekleidet und hantieren mit teilweise exotischen Streich-, Blas- und Zupfinstrumenten. Ein original chinesisches Klangerlebnis! Mannomann!

Mit einer Stunde Verspätung wegen der aufwändigen Umbauten des Orchesters (man stelle sich 70 chinesische Kinder vor, die wild durcheinanderwuseln) betreten wir um kurz nach 11 die Bühne. Mit dem Ende des „chinesischen Konzertes“ hatte sich die riesige Scheune vollständig geleert, erfreulicherweise füllt sie sich aber rasch wieder mit der jüngeren Hälfte des Festivalpublikums. Es wurde ein sehr nettes Konzert mit den Stelzenern, deren Ohren offensichtlich noch nicht genug hatten. Und ihre Beine hatten wohl schon nach ausgiebiger Bewegung gedürstet. Frauen, die mit Tüchern wirbelnd tanzen, Kreisformationen mit hochgereckten Armen, Standard- wie Ausdruckstanz überall! Die Leute in Stelzen wollten feiern, das war offensichtlich! Das taten sie auch – und wir mit ihnen. Unweigerlich mussten wir uns später am Lagerfeuer (und auch vom Bierverkäufer der kein weiteres Fass mehr anzapfen wollte) anhören, dass wir viel zu kurz gespielt hatten. Allerhand! Die wenigsten wissen halt, wann genug ist…

Nun machen wir eine kleine Konzertpause, um unsere neue CD fertigzustellen, neue Bandfotos zu machen und eine kleine Schellacküberraschung vorzubereiten. Live zu sehen sind wir erst wieder am 18.7. auf dem Burg-Herzberg-Festival. Eine Woche später auf dem Kuahgartn-OpenAir und am 1. August auf dem Bardentreffen wiederum in Nürnberg. Schönen Sommer bis dahin und schön Weltmeister werden…

Weltpremiere geglückt

Es gab einige kleinere Rückschläge auf dem Weg zu unserem ersten Konzert 2010. Ich berichtete noch am Freitag Vormittag von der frühlingshaft-sonnigen Vorfreude auf unser erstes Konzert nach über 3 Monaten. Etwas später beim Eintreffen am Proberaum grüßten dann bereits düstere Wolken am Horizont. Und das Einladen hätte keine Sekunde länger dauern dürfen. Der Kontrabass war als traditionell letztes Teil gerade ganz oben auf dem Equipment platziert und die Hecktüre geschlossen, als auch schon dicker Platzregen einsetzte. Die wettermäßig trübere Stimmung konnte unser Kribbeln in den Fingerspitzen allerdings nicht schwächen.

Bei unserer Einfahrt in die Stadt Plauen wurde dann zunächst von keinem kommentiert, was für jeden von uns offensichtlich war und für den weiteren Abend nicht ohne Folgen bleiben konnte: Mit überaus großem Aufwand war hier von flinken und zweifellos fleißigen Helferleins die ganze Stadt mit Konzertplakaten übersät worden. Allerdings nicht für unser Konzert, sondern für das am gleichen Abend stattfindende Konzert der Band Bosshoss. Nun würde ich normalerweise nicht sagen, dass sich die Zielgruppen der Great Bertholinis und die von Bosshoss sonderlich groß in die Quere kommen. Wenn nur nicht die Zielgruppe für Livekonzerte im Allgemeinen in einer Stadt wie Plauen nicht schon recht überschaubar wäre.

Ich erwähne an dieser Stelle sonst nie irgendwelche Zuschauerzahlen von unseren Konzerten. Ihr wisst selbst, mal kommen mehr, mal weniger. Dieses Tabu möchte ich heute einmal brechen und ganz bewusst sozusagen die Hosen runterlassen: es waren am vergangenen Freitag etwa 25 Leute da. So, nun ists raus. Und ich kann auch nicht leugnen, dass wir uns etwas mehr erhofft hatten, nachdem wir ein Jahr zuvor an gleicher Stelle im Rahmen des Plauener Folkherbstes vor voller Hütte gespielt hatten. Der ehrgeizige kleine Bertholini in uns allen musste da kurz mal nen Schnapps trinken.

Aber dann war auch schon alles wieder gut. Ein Konzert ist schließlich ein Konzert ist ein Konzert! Nach den ersten Tönen war die kleine Enttäuschung verwunden und das Kribbeln war schließlich immer noch in den Fingern und wollte raus. Der Abend sollte einiges an Erkenntnis bereithalten, waren doch nicht weniger als vier Titel von der neuen CD in unserem Programm – vier Weltpremieren sozusagen. Eine spannende Sache das: neu Songs treffen alte Songs! Und die haben sich außerordentlich gut miteinander vertragen, so wie ich das gehört habe. Mein persönlicher – und ich war selbst etwas überrascht – Höhepunkt in dieser Hinsicht war „Time with you“. Aber solange die neue CD noch nicht da ist, könnt ihr euch davon allerhöchstens auf einem unserer nächsten Konzerte selbst überzeugen (die nächste Möglichkeit wäre demnach das Burning Eagle Festival in Reutlingen am 10.April). Die Stimmung im Saal und auf der Bühne war jedenfalls sehr positiv und entspannt. Wir hatten großen Spass wieder live zu spielen! Und an dieser Stelle möchte ich mich noch bei den Plauener bedanken, die an diesem Abend da waren (man hätte meinen können es wären 35 oder sogar 40 gewesen). Ich hatte jedenfalls das Gefühl, ihr habts nicht bereut. Und ich denke, wir kommen auch wieder nach Plauen! Bis dahin…

Das Ende der Fastenzeit

Ein sonniger Vormittag schärft die Vorfreude auf den heutigen Abend. Es ist kurz vor zwölf Uhr mittags und die Koffer stehen schon gepackt vor der Tür. Bald ist es soweit: die Konzertfastenzeit der Great Bertholinis findet heute Abend (manche sagen, eine Woche zu früh) ihr Ende! Nach den CD-Aufnahmen und der langen Vorbereitungszeit dafür, besteigen heute Nachmittag die 8 mehr oder weniger bärtigen Bertholinis wieder einmal den Tourbus. Seit Weihnachten haben wir keine Bühne mehr von oben gesehen! Und wir freuen uns diebisch, dass unser asketisches Dasein heute Abend in Plauen beendet wird. Das Malzhaus wird – wie schon zweimal zuvor, wir erinnern uns z.B. an den herrlichen Folkherbst – unser Gastgeber sein und wir hoffen, dass wir auf einige bekannte Gesichter treffen werden. Da ist noch eine Rundlaufrechnung offen…

Ab jetzt sind wir also in unregelmäßigen Abständen wieder Live zu sehen. Die genauen Termine, und da werden demnächst bestimmt noch einige dazu kommen, bevor es im Herbst auf große Releasetour geht, findet ihr wie immer auf unserer myspace-Seite. Ich muss los, die anderen warten schon. Bis demnächst!

Plauen im Herbst

Eine große Freude für jeden Musiker sind zuweilen Konzertveranstalter, die sich nach dem Konzert lobend bis begeistert über die gesehene Darbietung äußern. Natürlich bleibt es dem selbstkritischen Künstler überlassen, diese Äußerungen entsprechend einzuordnen. Das ehrlichste Kompliment, das ein Veranstalter in dieser Situation machen kann, ist die Einladung zu einem weiteren Konzert. Aufgrund einer eben solchen Einladung waren wir am vergangenen Wochenende zum zweiten mal im Plauener Malzhaus zu Gast.

27.09.2008 – 17. Folkherbst im Malzhaus, Plauen (DE)

Das Malzhaus in Plauen kann man wohl als das große, alte Kulturzentrum der Stadt bezeichnen. Seit 17 Jahren findet hier der sogenannte Folkherbst statt, Deutschlands einziger europäischer Folkwettbewerb, bei dem es den „Eisernen Eversteiner“ zu erobern gilt. Und jedes Jahr führt der Eröffnungsabend dieses Wettbewerbs mit Kunst und Konzerten durch die verschiedenen Teile des Gebäudes: den Anfang machte die australische Band Naked Raven in der Galerie des Hauses mit einem leisen, sehr intensiven Konzert. Deutlich uriger wurde es dann mit dem Folkduo Garlic & Onions (leider ohne Link) in der Kneipe des renovierten Fachwerkhauses. Kurz vor 23 Uhr war dann schließlich der für Konzertveranstaltungen anspruchsvoll optimierte Gewölbekeller Schauplatz des Bertholini-Konzertes. Großen Anteil an einer ehrlich-ausgelassenen Vorstellung der Familie war neben dem Zuspruch des dicht gedrängten Publikums vor allem der Sound auf der Bühne. Die volle audiophile Pracht bleibt dem Musiker auf der Bühne ja für gewöhnlich verwehrt – nicht so an diesem Abend, danke Gewölbekeller und danke Felix!

Und danke Plauen! War sehr nett gewesen bei/mit euch! Wer hätte gedacht, dass sich die Bertholinis auch beim Rundlauf an der Tischtennisplatte einigermaßen passabel schlagen…