Schlagwort-Archive: Rostock

Tag 4 – Offday in Rostock

image

Nach drei Konzerten hatten wir gestern einen Tag frei und das war auch noch Oszkars Geburtstag. Ein gewisses Maß an Verwohnprogramm war also naheliegend. Unser lokaler Wellness-Instructor Iris (wenn ihr mal eine günstige und nette Übernachtung in Rostock sucht sei euch das Hanse Hostel wärmstens empfohlen) hatte einige Tipps für uns. Nach Oszkars Wunsch wurde zunächst das Rostocker Hausbaumhaus besichtigt – klassisches Touriprogramm. Danach gings zum Strand, um die zerzausten Bärte in die frische Ostseebrise zu halten. Warnemünde hatte aber auch ein herrlich sonniges, windgeschütztes und obendrein bewirtetes Plätzchen für uns parat.

Anschließend tauschten wir die staubigen Kittel tatsächlich gegen weiße Bademäntel: Sauna und Dampfbad war angesagt. Leider war die geplante Geburtstagsmassage für Oszkar nicht möglich, aber für die bereits gesammelten Tour-Wehwehchen – allen voran Janoschs immernoch währende Hals- und Nebenhöhlenproblematik – wars eine Wohltat.

Irisens weiterer Plan führte uns des Abends noch in ein altes Fischrestaurant mit dem klassischen Namen ‚Zur Kogge‘ – auch das kann man wohl eher zum üblichen Rostocker Touristenprogramm zählen. Überraschend allerdings der scheinbar noch in Benutzung befindliche Pabst auf der Herrentoilette.

Nach dem allemal entspannten Tag sind wir aktuell auf dem Weg nach Hannover, wo uns das Glocksee heute Abend die Bühne überlässt. Die Sonne scheint und die Formkurve ist weiter ansteigend! Bis morgen.

Tag 3 – Peter-Weiss-Haus in Rostock

Das Dasein auf Tour, also die unfassbar viele gemeinsame Zeit im Kreise dieser engen, kleinen Gemeinschaft von uns 8 Menschen, gebiert natürlich eine unfassbare Unsumme an kleinen Geschichten. Und sind nicht u.a. diese Geschichten der eigentliche Grund für unsere musikalischen Ausfahrten? Einer von mehreren wenigstens? Geschichten die wir uns immer wieder erzählen werden? Z.B. als damals in Frankreich klein Oszkar auf den Baum kletterte und wir allesamt Angst hatten, dass er nicht heil wieder runter käme. Oder als wir mit einem herrlichen Kasten fränkischen Landbiers durchs nächtliche Hamburg steuerten. Oder die Episoden von Todors verschwundenem Geldbeutel. Der röhrende Hirsch. Die Sachsentherme. Die Reeperbahn. Krakau. Wien. The Nine Bertholinis. Fussball auf niederbayerischen Kleinfeldern. Ilses Erika. Miss Bielefeld. Oder das Fotoshooting bzw. Pete Doherty im Münchner Funkhaus. Oder als wir auf einer Autobahn im Sonnenuntergang mit Jeff Buckley Oszkars Onkel gedachten… Es gibt sooo viele von diesen Geschichten. So viele wunderschöne, süße und bittersüße, intensive Momente haben wir gemeinsam erlebt, dass es einen fast schaudert.

Und heute Abend sind wieder einmal zwei oder drei solche Geschichten dazugekommen. Ein weiteres wunderschönes Konzert mit konzentriert-wohlwollenden Rostockern die am Ende sogar einen drehenden Kreis bilden, der über unsere Bühne führt. So dass jeder einzelne Konzertgast quasi sein persönliches Hallo auf der Bühne abgibt. Drei Runden dreht dieser Zug, den Laszlo sogar für eine Umdrehung begleitet. Und alles während der zweiten Zugabe vor Oszkars Geburtstag. Die Entdeckung des Pfeffi, der uns mit frischem Atem durch ein langwieriges Würfelspiel bringt. Und nicht zuletzt zu so später Stunde die Aussicht auf einen gemeinsamen Off-day am Meer! Eben jener Pfeffi bringt mich zu solchen Nähkästchen-Posts, aber wenn es so innig einträchtig wie heute Abend zugeht werd ich nunmal sentimental! Fantastischer Abend in Rostock! Ich melde mich morgen vom Strand. Gute Nacht.

Rostock

Ich sollte recht behalten, das Konzert in Rostock war von ganz anderen Parametern geprägt als das vorherige in Hamburg. Das JAZ bezeichnet sich selbst als alternatives Jugendzentrum und hat in den letzten 10 Jahren den neuen Standort – ich scheue mich, dafür den Begriff „Baracke“ zu verwenden – mit großem Einfallsreichtum ausgebaut und in einen (abends) sehr schnuckeligen Club verwandelt. Eine selbst zusammengezimmerte, halbrunde Bühne, mit Teppichen ausgelegt, dahinter rotgelbe Vorhänge und die erstaunlichsten (ebenfalls selbstgebastelten?) Lichteffekte… wenn man von einer ‚gemütlichen Bühne‘ sprechen kann, dann hier.

Auf solcherlei Holz-Manegen fühlt sich die Familie Bertholini bekanntlich sehr wohl! Das scheint auch recht schnell beim Publikum angekommen zu sein, denn bereits nach wenigen Songs wird lautstark applaudiert/gejohlt/gepfiffen und zu unserer eigenen Überraschung singen einige Rostocker bei ‚The waltz & the failure‘ sogar mit. Die haben ihre Hausaufgaben gemacht, die Rostocker! Der Höhepunkt des sehr entfesselten Konzerts ist zweifelsohne ‚Girl behind the wall‘, bei dem letztlich auch die letzte Barriere zwischen Band und Publikum fällt: auf Todors Einladung hin wird die Bühne gestürmt und ganz Rostock tanzt den letzten Song mit uns gemeinsam. Ein wahres Fest!

Am Mittwoch geht es weiter in Dresden, vielleicht trifft man dort ein paar alte Bekannte!

Hamburg / Rostock

Nach einer entspannten Nacht im Chinesischen Gästehaus in Bergedorf, befinden wir uns mittlerweile im JAZ in Rostock. Ein recht entspannter Tag an der Ostsee liegt hinter uns. Die kurze Anfahrt von Hamburg ließ noch genügend Zeit für einen Abstecher nach Warnemünde. Ein Besuch am sandigen Strand, die Lungen mit Ostseeluft vollgesaugt und dann ein fettiges Fischbrötchen bei Backfisch-Udo – was will man mehr?

Genug der Urlaubsgefühle, wir haben ja einen seriösen Auftrag: das gestrige Konzert in Hamburg war von recht konzentrierter Atmosphäre geprägt. Dazu trug neben dem recht modern renovierten Ambiente des Saals und dem kühlen Temperament des nordischen Publikums (der tatsächlichen Begeisterung konnten wir uns erst nach dem Konzert am CD-Verkauf sicher sein…) vor allem der sehr transparente Sound auf der Bühne bei – erneut audiophile Glanzlichter.

Hier im JAZ in Rostock scheint das alles in eine ganz andere Richtung zu laufen, wir werden sehen…